Wie führende deutschsprachige Intellektuelle – Schriftsteller, Künstler, Publizisten, Musiker oder Wissenschaftler – die Zeitereignisse vom Kriegsausbruch bis zu seinem Ende in ihren Briefen und Tagebüchern reflektierten, kann man in dem anregenden, von Peter Walther herausgegebenen Band „Endzeit Europa“ nachlesen. Dieses „kollektive Tagebuch“ zeigt besser als öffentliche Stellungnahmen, die von politischen Rücksichten diktiert sein konnten, das private Erleben der Autoren. Vielfach findet man zu Beginn eine große Begeisterung für den Krieg gerade unter den Intellektuellen, die damit die öffentliche Meinung stark beeinflussten. Allerdings gab es auch Stimmen, die nicht in den Jubelchor einfielen, wie die von Karl Kraus oder Heinrich Mann. Später suchte so mancher den erlebten Schrecken durch die Überhöhung und Ästhetisierung von Gewalt zu verarbeiten (wie Max Beckmann oder Paul Zech), während andere (wie Stefan Zweig) bohrende Fragen nach dem Sinn des Krieges stellten oder sich linkspolitisch organisierten (Kurt Eisner, Ernst Toller). Ein instruktives Nachwort des Herausgebers ordnet zwar die Texte in den Grundzügen ein; dennoch hätte man sich eine ausführlichere Kommentierung gewünscht.
Rezension: Talkenberger, Heike





