Dem Berner Mittelalter-Zentrum kommt das Verdienst zu, nicht Scharlatanen ein Thema zu überlassen, das ausgesprochen Konjunktur hat: Wissenschaftler waren im Rahmen einer Ringvorlesung eingeladen, einem größeren Interessentenkreis Vorstellungen von guten und bösen Geistwesen im Mittelalter zu erläutern. In einem ansprechend gestalteten, vorzüglich illustrierten Band, den Hubert Herkommer und Rainer C. Schwinges herausgegeben haben, liegen nun 14 Beiträge vor. Den Reiz des Buches macht der kultur- , fächer-, länder- und methodenübergreifende Ansatz der Autoren aus. Der Leser erhält Einblick in Ängste und Hoffnungen von Christen (dies behandeln die meisten Beiträge), von Juden, Muslimen, Tibetern und Mongolen. Es begegnen Drachen, Gespenster, Nixen, Nymphen, Wasserfeen und Wiedergänger. Der Fächer der befragten Quellen reicht von Dantes „Göttlicher Komödie“ bis zu Werken der bildenden Künste. Vertieft werden Aussagen zum Friedhof, zu Hexen(un)wesen, Zauberei, Mission und Naturentdeckung. Hervorheben möchte der Rezensent den Beitrag von Hubert Herkommer: „Sphärenklang und Höllenlärm, Lächeln oder Fratzen. Zur sinnenhaften Wahrnehmung der Geistwesen“. Hier laden Text- und Bildquellen aus der Zeit vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit zum Weiterlesen und Nachdenken ein. Dem Leser begegnet etwa eine Abbildung, die eine „Website mit Teufelsfratze im Rauch des brennenden World Trade Center, 11. September 2001“ zeigen soll, nach Aussage des Fotografen „liege nicht die geringste Manipulation vor“. Erfreulicherweise problematisieren die Autoren die von ihnen verwendeten Begriffe. Quellen- und Literaturhinweise leuchten weite Forschungsfelder aus. Leider ist eine Aussage nur ungenau nachgewiesen: Nach Pressemeldungen im Dezember 1988 veranschlage Monsignore Balducci, römischer Exorzist und Verfasser eines dämonologischen Handbuchs, „die Zahl der Dämonen auf 1.758.640.176“.
Rezension: Ohler, Norbert





