Wann sind Sie Franz Josef Strauß zum ersten Mal begegnet?
Edmund Stoiber: Zum ersten Mal bewusst erlebt, wenn auch nicht persönlich, habe ich ihn im Februar 1952 in einer Bundestagsdebatte zur Wiederbewaffnung, die ich im Radio verfolgte. Nach Konrad Adenauer sprach Strauß, und ich kann mich noch erinnern, wie der Kommentator sagte: Jetzt spricht der bayerische Abgeordnete Franz Josef Strauß von der CSU. Das war eine unglaublich leidenschaftliche Rede, anschließend erhob sich die CDU/CSU-Fraktion sogar von den Plätzen. Zum ersten Mal persönlich erlebt habe ich ihn als 15-Jähriger bei einer Veranstaltung auf freiem Feld in Rosenheim.
Was hat Sie damals beeindruckt?
Seine enorme Sprachgewalt und seine Emotionalität, die man sich heute in politischen Reden kaum noch vorstellen kann. Er hatte eine klare Position. Er vertrat 1948 zusammen mit Ludwig Erhard die soziale Marktwirtschaft, was in der damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Er war ein überzeugter Verfechter der Westintegration. Er ist Risiken eingegangen, auch das hat mich an ihm fasziniert. Eines seiner großen Risiken war die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Grundlagenvertrag mit der DDR, zum Unmut auch der westlichen Alliierten.
Sie haben zehn Jahre lang als CSU-Generalsekretär und Chef der Staatskanzlei eng mit ihm zusammengearbeitet …
Ich bin ihm früh aufgefallen. Eine Weichenstellung war 1976 der Trennungsbeschluss in Kreuth. Ich war damals als junger Abgeordneter ein Anhänger der von Strauß verfochtenen Position, dass CDU und CSU getrennt marschieren und vereint schlagen müssten. Ich habe auch öffentlich vertreten, dass wir das größte Talent der CSU, nämlich Strauß, nicht in Bonn in der Opposition, sondern besser in Bayern als Ministerpräsidenten gebrauchen konnten.
Er war bayerischer Politiker und Bundespolitiker – in welcher Rolle bedeutender?
Beides interessierte ihn gleichermaßen. Er definierte die CSU als regional begrenzte Partei mit bundes- und europaweitem Anspruch. Bei allen Koalitionsverhandlungen setzte er natürlich zunächst das durch, was für Bayern wichtig war. Er war beseelt davon, Bayern aus der Position des Letzten unter den damals elf Bundesländern nach vorne zu bringen.
Kann heutige Politik von ihm lernen?





