Mit kurzen Schilderungen und sehr treffenden Fotos beleuchtet Bicher aber auch kleinere, trotzdem bezeichnende Episoden. So erinnert der Autor etwa an die unglaubliche Rettung der 129 Kumpel, die beim Grubenunglück in Lengende 1963 verschüttet worden waren – eine Rettung, die selbst zum Mythos wurde. Oder wir lesen von den Zornausbrüchen des Franz Josef Strauß gegen Helmut Kohl, dem, wie Strauß 1976 fand, „alles“ für eine Kanzlerschaft „fehle“, während die CDU ein „Zwerg im Westentaschenformat“ sei. Natürlich ist auch der Fall der Mauer 1989 eine dieser großen Wegmarken, doch Bicher greift nicht die üblichen Bilder dazu heraus, sondern zeigt den Cellovirtuosen Mstislaw Rostropowitsch, der, eilends aus Paris angereist, mit einem musikalischen „Dankgebet“ am Checkpoint Charlie seiner großen Freude einen bewegenden Ausdruck verlieh.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Norbert Bicher
Schauplatz BRD
Reisen ins Innere der Republik
Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Bonn 2019, 272 Seiten, € 29,90





