Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist eine Sonde auf einem Kleinplaneten gelandet. Das Kunststück gelang NEAR-Shoemaker am 12. Februar 2001 um 21.01 Uhr und 52 Sekunden MEZ. Die 1996 gestartete Sonde hatte den Planetoiden 433 Eros seit dem 14. Februar 2000 umkreist, ihn genau vermessen und über 160000 Fotos gewonnen (bild der wissenschaft 1/2001, „Rendezvous mit Eros”). Für den kontrollierten Absturz entschieden sich die NEAR-Missionsplaner am Applied Physics Laboratory (APL) der Johns Hopkins University in Laurel, Maryland, weil das Ende der Mission gekommen war: NEAR hat den 34 Kilometer langen Planetoiden komplett kartiert, und der Treibstoff ging zur Neige. Beim Anflug schoß NEAR 69 Fotos aus weniger als fünf Kilometer Höhe. Das letzte aus 120 Meter Entfernung zeigt noch ein Zentimeter kleine Details – nie zuvor gab es bessere Aufnahmen eines Planetoiden. Mit einer Geschwindigkeit von nur etwa 1,5 Meter pro Sekunde setzte die knapp zwei Meter große Sonde relativ sanft auf der steinigen Planetoidenoberfläche südlich der schalenförmigen Kraterstruktur Himeros auf. Zur großen Überraschung der Wissenschaftler überstand NEAR-Shoemaker die Landung nicht nur, sondern nahm eine Lage ein, die die Funkverbindung nicht unterbrach. Dadurch konnten die Forscher noch weitere Messungen machen, und die NEAR-Mission wurde zehn Tage verlängert.
NEARs Magnetometer fand keinerlei Hinweise auf ein Magnetfeld, obwohl es Eisen auf Eros gibt. Der neu programmierte Gammastrahlen-Spektrometer nahm eine Woche lang Daten von der Zusammensetzung der Oberfläche auf. „Es ist das erste Gammastrahlenexperiment, das es jemals auf einem Himmelskörper außerhalb der Erde gegeben hat”, freut sich Jack Trombka vom Goddard Space Flight Center der NASA in Geenbelt, Maryland. „Wir können Sauerstoff, Eisen und Silizium nachweisen, das von der kosmischen Strahlung angeregt wird, zusammen mit den natürlichen radioaktiven Elementen Kalium, Thorium und Uran.”
Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung und Entstehungsgeschichte des Planetoiden, der ein Relikt aus der Frühzeit des Sonnensystems und wahrscheinlich älter als die Erde ist. Schon jetzt ist klar, daß das Gammastrahlenspektrum vom Boden alle Messungen aus NEARs Umlaufbahn bei weitem übertrifft. Die Auswertung der Daten wird allerdings noch Monate dauern. Nach vier zusätzlichen Tagen Datenübertragung wurde die Funkverbindung mit NEAR am 28. Februar endgültig beendet. Die Sonde stirbt jetzt wahrscheinlich einen langsamen Tod, denn an ihrem Landeplatz kehrt „Winter” ein. Ab 8. August bis November wird kein Lichtstrahl mehr dorthin gelangen, was die Solarenergieversorgung der Sonde lahmlegt.
Hans Groth





