Vor etwa 10.000 Jahren kam es zu einer bahnbrechenden Entwicklung, die das Schicksal der Menschheit für immer prägen sollte: die Neolithische Revolution. Statt zu jagen und zu sammeln, domestizierten Menschen Nutztiere und bauten Pflanzen an – es entwickelten sich die ersten bäuerlichen Kulturen, die sich durch Landwirtschaft und Viehzucht ernährten. So fanden Schaf, Schwein und Co Einzug ins Leben unserer Vorfahren. Es entstand ein enger Kontakt mit Tieren, zu denen es zuvor eine Räuber-Beute-Distanz gegeben hat. Dadurch wurden die Menschen wohl auch intensiver mit Erregern konfrontiert als zuvor. Man vermutete deshalb bereits, dass die Neolithisierung mit der Entstehung neuer Krankheiten des Menschen verknüpft war. Ein internationales Forscherteam untermauert diese bisherige Annahme nun erstmals durch Forschungsergebnisse.
Uralten Salmonellen auf der Spur
Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler Zähne von 2739 Skeletten auf die genetischen Spuren von Krankheitserregern aus der Gruppe der Salmonellen untersucht. Die menschlichen Überreste stammten aus verschiedenen europäischen Regionen und konnten Jägern und Sammlern, nomadischen Viehzüchtern oder Bauern der Zeit bis vor 6500 Jahren zugeordnet werden. Bei den genetischen Analysen kam eine neu entwickelte computergesteuerte Methode zum Einsatz. „Dadurch gelang es uns, eine große Menge archäologischer Proben auf Spuren der Salmonellen-DNA zu untersuchen,“ sagt Co-Autor Alexander Herbig vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena.
Diese genetische Suchaktion war erfolgreich: Die Forscher konnten schließlich acht unterschiedliche Genome des Erregers Salmonella enterica mit einem Alter von bis zu 6500 Jahren rekonstruieren. Wie sie betonen, sind dies nun die bislang ältesten bekannten bakteriellen Genome überhaupt. Da das Erbgut im Bereich des Zahnnervs der Skelette entdeckt wurde, scheint klar, dass die Personen zum Zeitpunkt ihres Todes an einer Salmonelleninfektion im Körper litten. Die Ergebnisse spiegeln somit ein in der Vorgeschichte wahrscheinlich ernsthaftes Gesundheitsproblem wider. Vor allem zeigen sie aber, wie sich der bakterielle Erreger im Verlauf der 6500 Jahre entwickelte, sagen die Wissenschaftler.
Der Einfluss der Tierhaltung zeichnet sich ab
Grundsätzlich zeigten die genetischen Vergleiche, dass alle rekonstruierten Genome von Erreger-Formen stammen, die mit den heute vielfältigen Vertretern aus der Gruppe der Salmonella enterica-Erreger verwandt sind. Besonders interessant war dabei: Bei den von den Landwirten und Viehzüchtern stammenden Salmonellen-Genomen handelte es sich um Vorläufer des Bakterienstammes Salmonella Paratyphi C. Die heutige Version infiziert speziell Menschen und löst typhusähnliche Symptome aus, die zum Tode führen können. Aus den genetischen Merkmalen der historischen Salmonellen geht hingegen hervor, dass sie noch nicht völlig an den Menschen angepasst waren und auch noch Tiere infizierten.





