Die aktuelle Studie baut auf Forschungsergebnissen aus dem Jahr 2014 auf, die erstmals Hinweise auf die überraschend alten Wurzeln der Einbalsamierungs-Techniken im alten Ägypten geliefert haben: Ein Forscherteam unter der Leitung der University of York hatte Einbalsamierungs-Substanzen auf Leinenfragmenten nachgewiesen, die aus jungsteinzeitlichen Gräbern in Mostagedda in Mittelägypten stammten. Nun konnte das Team seine Ergebnisse durch die Untersuchung der rund 5600 Jahre alten Überreste eines Mannes aus dem südlichen Ägypten erweitern und bestätigen.
Natürlich oder künstlich mumifiziert?
Der Fund gehört seit 1901 zur Sammlung des Ägyptischen Museums in Turin. Man ging bisher davon aus, dass die bandagierten Überreste so gut erhalten sind, weil der heiße, trockene Wüstensand den Körper durch Austrocknung auf natürliche Weise mumifiziert hat. Doch vor dem Hintergrund der früheren Ergebnisse der Forscher schien es möglich, dass der Körper bereits durch Einbalsamierungstechniken behandelt worden war. Um diesem Verdacht nachzugehen, unterzogen die Forscher die mysteriöse Mumie modernsten Untersuchungsverfahren: Chemische, genetische und mikroskopische Analyse sowie eine Radiokarbondatierung kamen zum Einsatz.
Wie die Forscher berichten, ergaben die Untersuchungen: An dem zwischen 20 und 30 Jahre alten männlichen Verstorbenen wurde um 3600 v. Chr. eine rituelle Mumifizierung durchgeführt. Den Analyseergebnissen zufolge waren Pflanzenöl, erhitztes Koniferenharz, ein aromatisches Pflanzenextrakt und eine Art Pflanzengummi eingesetzt worden, um die Bandagen zu imprägnieren. Das “Rezept” enthielt antibakterielle Substanzen, die in einem ähnlichen Verhältnis auch noch 2500 Jahre später für die Mumifizierung der Pharaonen eingesetzt wurden, sagen die Forscher. „Unsere Ergebnisse dokumentieren damit die Vorläufer der klassischen Mumifizierung, die eine wichtige Rolle in der altägyptischen Kultur spielte”, so Stephen Buckley von der University of York.
Uralt und weit verbreitet
Die Forscher heben zudem den Aspekt hervor, dass die Mumie aus dem südlichen Ägypten stammte. Im Zusammenhang mit den früheren Untersuchungsergebnissen der Leinenfragmente aus dem mittelägyptischen Mostagedda zeichnet sich somit ab: Die Einbalsamierungs-Methode war bereits vor Beginn der Bronzezeit und der Ära der Pharaonen weit verbreitet – zu einer Zeit, als sich das Konzept einer überregionalen ägyptischen Identität gerade erst entwickelte. “Die aktuelle Studie liefert nun sowohl den ersten eindeutigen Beweis für den Einsatz der Einbalsamierungs-Technik bei einer intakten, prähistorischen Mumie, als auch für die weite geografische Nutzung des Verfahrens“, resümiert Buckley.





