Unter enormen Strapazen gelang der Expedition die Durchfahrt durch die später nach ihrem Kommandanten benannte Meeresstraße im Süden Südamerikas und die Überquerung des Pazifiks. Sie erreichte im Frühjahr 1521 die Philippinen, wo ihr Anführer auf der Insel Mactan eines gewaltsamen Todes starb. Die Überlebenden steuerten die Molukken an, wo sie die verbliebenen beiden Schiffe mit Gewürznelken beluden. Eines davon, die „Vitória“, erreichte nach Durchquerung des Indischen Ozeans und des Atlantiks im September 1521 – gut drei Jahre nach dem Auslaufen der Flotte – wieder Spanien und vollendete damit die erste Weltumsegelung.
Diese Geschichte ist natürlich schon oft erzählt worden – besonders wortmächtig von Stefan Zweig, der Magellan zu einem der großen Helden der Seefahrt stilisierte. Dass der Journalist Christian Jostmann anlässlich der 500. Wiederkehr der ersten Umsegelung der Erde einen neuen Blick auf die Ereignisse wirft, ist dennoch sehr zu begrüßen.
Er hat die Quellen – neben den Berichten und Logbüchern von Teilnehmern auch Notariats- und Prozessakten, Rechnungsbücher und Chroniken – intensiv studiert und aus ihnen eine ebenso anschauliche wie dichte Darstellung der Reise und ihrer Hintergründe erarbeitet. Im Buch selbst sind die Quellen- und Literaturhinweise zwar sehr knapp gehalten, doch auf der Homepage des Verlags findet sich eine umfangreiche Bibliographie zum Download.
Magellan war bereits 1505 mit der Flotte Francisco de Almeidas erstmals nach Indien gereist und verfügte dadurch über wertvolle Erfahrungen. Zudem war er ausdauernd und beharrlich und mit der Kosmographie und Kartographie seiner Zeit vertraut. Gleichwohl stutzt Jostmann seinen Protagonisten auf ein menschliches Maß zurück, indem er zeigt, dass Magellan seine Autorität wiederholt gewaltsam durchsetzte, mitunter fragwürdige Entscheidungen traf und sich auf den Philippinen ohne Not in eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Regionalherrschern einmischte, die ihn das Leben kostete.
Vor allem aber macht der Autor deutlich, dass die erste Weltumsegelung eine kollektive Leistung war. Magellan kommandierte eine multinationale Mannschaft, der neben Spaniern und Portugiesen auch Italiener, Griechen, Franzosen, Flamen, Deutsche, Afrikaner und Malaien angehörten. Die meisten von ihnen kamen durch Hunger, Krankheiten, Unglücksfälle und Gewalt ums Leben; nur wenige Überlebende konnten die Geschichte der Reise erzählen.
Beispielhaft für sie stehen zwei sehr unterschiedliche Charaktere: der von der Insel Rhodos stammende Francisco Albo, dessen Logbuch eine nüchterne Bestandsaufnahme der zurückgelegten Wegstrecke bietet, und Antonio Pigafetta aus Vicenza, dessen farbiger und detailreicher, aber auch von Übertreibungen nicht freier Reisebericht Magellan erst zu dem Helden machte, als der er bei Stefan Zweig und anderen erscheint.





