Kilian Baur überprüft in seiner umfangreichen Dissertation diese Ansichten und stellt den Pauschalurteilen eine andere Geschichtserzählung gegenüber. Durch eine „akteurszentrierte“ Herangehensweise kann er zahlreiche individuelle Beziehungen zwischen Niederdeutschen und Dänen und deren Interaktion mit der Hanse analysieren und so eine Sicht der gemeinsamen Geschichte revidieren, die sich rein auf politisch-diplomatische Zusammenhänge bezieht. Wichtige Quellen sind für ihn die Stadtbücher, in denen Rechtsakte zwischen zwei Personen eingetragen wurden.
Natürlich berichten auch diese Quellen von Konflikten, doch eine Fülle von anderen Verbindungen wird greifbar: Verwandtschaft über Grenzen, Eheschließungen und Migration, vor allem aber wirtschaftliche Verflechtungen. Im zweiten Teil seiner Studie betrachtet Baur das konkrete Handeln von wichtigen Akteuren wie dem dänischen Bürgermeister Lange Jacob oder dem Lübecker Vogt Henning Pynnow.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Kilian Baur
Freunde und Feinde
Niederdeutsche, Dänen und die Hanse im Spätmittelalter (1376 –1513)
Böhlau Verlag, Göttingen 2018, 671 Seiten, € 85,–.





