Ein wichtiger Beitrag zur Debatte ist das Buch des amerikanischen Historikers H. Glenn Penny. Erfreulich nüchtern, differenziert und sehr fundiert setzt er sich mit der Sammlungsgeschichte des Berliner Völkerkundemuseums auseinander und beginnt mit Adolf Bastian, der von 1869 an dessen Geschichte entscheidend prägte. Bastian wollte ein „universales Archiv der Menschheit“ schaffen, weshalb er davon überzeugt war, die einzigartigen „Schätze“ fremder Kulturen für die Nachwelt „retten“ zu müssen. Es ist spannend zu lesen, wie ein gigantisches Netzwerk mit Tausenden von Förderern und Reisenden Bastian schließlich zuarbeitete.
Bastians Idee war nicht rassistisch, doch gelangten viele Objekte unter äußerst fragwürdigen Umständen in den Besitz der „Weißen“. Später versank die deutsche Ethnologie ohnehin im Sumpf des NS-Rassismus. Penny endet mit einem Plädoyer für eine intensive Erforschung der ethnologischen Objekte mit Hilfe der indigenen Bevölkerung.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
H. Glenn Penny
Im Schatten Humboldts
Eine tragische Geschichte der deutschen Ethnologie
Verlag C. H. Beck, München 2019, 287 Seiten, € 26,95





