Die zwei Jahrhunderte von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts gelten gemeinhin als Epoche des Wandels und des Aufbruchs, die erst Vorstellungen, Verhaltensweisen, Strukturen und Institutionen hervorgebracht hat, die wir als wesentliche Elemente europäischer Kultur verstehen. Um der Vielfalt der Entwicklungen in allen Lebensbereichen gerecht zu werden, skizziert Peter Dinzelbacher in den beiden ersten Kapiteln den Wandel der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Grundbedingungen des Lebens. Vorstellungen, Wahrnehmungs– und Verhaltensweisen der Menschen werden im Dreischritt als “Einstellung zum Ich”, “zur sozialen Umwelt” und “zur natürlichen Umwelt” beschrieben. Dieses formale Prinzip einer konzentrischen Ausweitung der Perspektive hat in mancher Hinsicht irritierende Konsequenzen, wenn etwa die ausführlich thematisierte “Entdeckung des Ich” unter der zweiten Rubrik dargestellt wird, während sozial bedeutsame und weit stärker als in unserer Zeit auch sozial eingebundene Phänomene wie die Religiosität oder der Umgang mit Krankheiten und dem Tod sowie die epochale Neuentdeckung wissenschaftlicher Rationalität unter der erstgenannten Rubrik firmieren. Allerdings dient die Gliederung ohnehin eher zur äußeren Anordnung des Stoffes als zur systematischen Durchdringung und Deutung, zumal der Autor mit guten Gründen darauf verzichtet, im relativ engen Rahmen des Bandes auch noch eine erklärende Theorie des Kulturwandels oder eine Gesamtdeutung der Epoche zu wagen. Der Schwerpunkt des liegt vielmehr auf der detaillierten Darstellung, die mit zahlreichen Abbildungen und Quellenzitaten aus Literatur, Kunst, Recht, Theologie und Philosophie belegt und bereichert wird.
Rezension: Körntgen, Ludger





