Es war so unerwartet, als wenn wir auf einen anderen Planeten gebracht worden wären!“. Mit diesen Worten erinnerte sich ein journalistischer Beobachter an den Tag, als der französische Designer Louis Réard der Pariser Öffentlichkeit eine modische Sensation vorstellte: den ersten Bikini. Plötzlich sei Micheline Bernardini in dem neuartigen Badeanzug hervorgetreten, „und alles hielt den Atem an“. Dieser besondere Zweiteiler bestand aus so wenig Stoff, dass seine Präsentation in der unmittelbaren Nachkriegszeit Aufsehen hervorrufen musste. Dieses verstärkte sich noch durch den Auftritt des weiblichen Models, das den Bikini in dem eindrucksvollen Art-Déco-Schwimmbad „Piscine Molitor“ einer Schar von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten vor Augen führte. Da sich nämlich kein herkömmliches Mannequin bereitgefunden hatte, in dem skandalträchtigen Zweiteiler zu posieren, verpflichtete Réard mit Bernardini eine Nackttänzerin aus dem „Casino de Paris“ für die gewagte Aufgabe.
Die hohe mediale Aufmerksamkeit, die Réard mit seiner Präsentation erlangte, stellte jedoch keineswegs ein Zufallsprodukt dar, sondern war das Ergebnis eines wohl-kalkulierten Pressecoups. Ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser PR-Strategie lag offensichtlich in der Namensgebung des Bikinis selbst, die auf die gleichfalls 1946 gestarteten Nuklearwaffentests der Vereinigten Staaten rund um das Bikini-Atoll im südpazifischen Meer anspielte – Waffentests, die die Weltöffentlichkeit jener Zeit sehr aufmerksam verfolgte. Was der heutigen Betrachtungsweise befremdlich erscheinen mag, nämlich mit Verweis auf eine Bombengattung mit bisher nicht gekanntem Zerstörungspotential Bademode zu bewerben, zeugte bei Réard, der vor seiner Zeit als Designer als Maschinenbauingenieur gearbeitet hatte, von einem ungebrochenen Glauben an die Möglichkeiten der Technik. …
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Dr. Karl Borromäus Murr





