„Fritz“ Stolberg machte als junger Mann zunächst als Dichter auf sich aufmerksam. Zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Christian studierte er erst in Halle, dann in Göttingen. Dort fanden sie Anschluss an den Göttinger Hainbund, einer Dichtervereinigung, die dem Sturm und Drang nahestand. Maßgeblich beeinflusst war der Bund durch den Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock. Diesen kannten die Stolberg-Brüder bereits aus Jugendtagen. Klopstock gehörte zum engeren Freundeskreis der Stolbergs. Nach dem Tod ihres Vaters hatte Klopstock starken Einfluss auf die Brüder ausgeübt. Gegen Ende ihres Studiums traten die beiden ihre „Kavalierstour“ an, die damals übliche Bildungsreise junger Adliger. Dabei reisten sie zeitweise in Begleitung Goethes.
Nach seinem Studium begann Stolberg eine Karriere als Diplomat und Amtmann. Er hatte bis 1800 verschiedene Ämter an unterschiedlichen Höfen inne, zuletzt als leitender Minister des Fürstbischofs von Lübeck in Eutin. Im Jahr 1800 war es auch, dass Stolberg gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau zum Katholizismus konvertierte. Für Stolbergs Freunde und Wegbegleiter stand dieser Übertritt in unvereinbarem Gegensatz mit ihren aufklärerischen Idealen. Viele konnten ihm diesen Schritt nicht verzeihen und wandten sich von ihm ab. So etwa Johann Heinrich Voß, ein alter Gefährte aus Göttinger Tagen. Dieser warf ihm vor, ins Lager der „Geistesknechtschaft“ gewechselt zu sein.
In den letzten Jahren seines Lebens machte sich Stolberg einen Namen als Übersetzer und Schriftsteller. So veröffentlichte er beispielsweise eine zweibändige Ilias-Übersetzung und übertrug mehrere Tragödien des Aischylos ins Deutsche. Hauptsächlich verfasste Stolberg in dieser späten Schaffensperiode aber religiöse Schriften. Als opus magnum dieser Phase gilt seine 15-bändige „Geschichte der Religion Christi“, erschienen zwischen 1806 und 1818.
Die Ausstellung möchte dem Besucher die Person Stolberg mit all ihren Facetten näherbringen. Dafür hat die Eutiner Landesbibliothek zwei große Sammlungen über Stolberg zusammengetragen. Die von der Bibliothek bereitgestellten Exponate stammen aus der „Sammlung Stolberg“ aus dem Besitz des Ururenkels des Dichters sowie aus dem Familienarchiv der Wiener Familie Bylandt-Rheidt.
Die Ausstellung nimmt sich zunächst des Familienmenschen Stolberg an – Stolberg als Sohn und Reichsgraf sowie als Ehemann und Vater. Eine besondere Rolle im seinem Leben spielte etwa der frühe Tod seiner ersten Frau Agnes von Witzleben.
Ein zweiter Abschnitt befasst sich mit seiner Rolle als Bruder und Freund. Hier stehen insbesondere seine Zeit in den Kreisen des Göttinger Hains sowie sein dichterisches Schaffen im Mittelpunkt. Neben bekannten Texten wie „Über die Fülle des Herzens“ oder dem „Lied auf dem Wasser zu singen“ präsentiert die Ausstellung auch bislang unbekannte Dokumente.





