In der Sagaliteratur des 12. und 13. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Beschreibungen. Deren Ablauf dürfte sich nicht wesentlich von wikingerzeitlichen unterschieden haben. Weitgehend unverändert und vielfach belegt ist die Sitzordnung im Langhaus: Im sogenannten Hochsitz saß der Hausherr, daneben seine ranghöchsten Vertrauten oder Freunde. An den Tischenden saßen dann die rangniedrigsten Haushaltsmitglieder. Die Gäste wurden auf der gegenüberliegenden Tischseite plaziert, wiederum der ranghöchste in der Mitte, gegenüber dem Hausherrn.
Während der Mahlzeit wurden vorübergehend Tische vor die Bänke gestellt, von denen – wie im Mittelalter üblich – mit Fingern und Messern gegessen wurde. Auch Molkereiprodukte wie das isländische “skyr” (entrahmte Magermilch, die mit Kalbslab und Käsebakterien versetzt wird) und Suppen wurden direkt aus der Schüssel getrunken, da Löffel selten waren. Zu Gesottenem und am Spieß gerösteten Fleisch gab es Brot, Fisch und Getreidebreie.
Nach der Mahlzeit wurden die Tische wieder entfernt, bevor als Höhepunkt jeder Festivität das “ernsthafte” Trinken begann. Getrunken wurde dabei vor allem aus Hörnern oder aus gläsernen Sturzbechern ausländischer Herkunft, hauptsächlich selbstgebrautes Bier, viel seltener importierter oder erbeuteter Wein. Daneben sind an einheimischen Produkten Beerenweine und Met (Honigwein) zu erwähnen, der zwar in Mythologie und Dichtung eine große Rolle gespielt hat, aber kaum in großen Mengen produziert werden konnte und damit ein der Götter würdiges Luxusgut war. Daß die Trinkfestigkeit ein wesentlicher Bestandteil sozialen Ansehens war, geht aus zahlreichen literarischen Quellen hervor. Bisweilen wurde fast bis zur Bewußtlosigkeit getrunken, wie nicht nur die Sagas, sondern auch zeitgenössische lateinische Texte belegen.
Unter Alkoholeinfluß kam es dann zu verschiedenen Arten der Abendunterhaltung. Großer Beliebtheit erfreuten sich gegenseitige Spott- oder Prahlverse, aber auch weniger zivilisierte Vergnügungen wie das Werfen von abgenagten Knochen. Gerade bei den länger andauernden Julfesten ist darüber hinaus von anderen, eher sportlichen Wettkämpfen die Rede. Dazu gehörte neben Ringen, Wettschwimmen und Wettlauf auch der Steinwurf. Körperliche Ertüchtigung stand bei den Wikingern in so hohem Ansehen, daß es auch für einen König nicht unter seiner Würde war, sich mit den eigenen Kriegern in Wettschwimmen und -tauchen zu messen. Den archäologischen Funden zufolge waren aber auch Brettspiele wie Schach und Mühle bei den Wikingern verbreitet. Ebenso fanden die Archäologen Spielwürfel aus Elfenbein.
So gut wie gar nichts wissen wir über die Musik der Wikingerzeit. Als sicher kann die Existenz von Tänzen gelten. An Musikinstrumenten waren in Skandinavien zweilöchrige Flöten aus Seeadlerknochen (gefunden in Haithabu und Birka) sowie die Leier bekannt. Zu den beliebtesten Formen der Unterhaltungen gehörte der Vortrag von Gedichten und das Erzählen von Geschichten. Auch scheinen Rätselfragen in gebundener und freier Form verbreitet gewesen zu sein.





