Am 17. Juni 1974 hatte Augusto Pinochet den Zenit der Macht erreicht. An diesem Tag trat die sogenannte Satzung der regierenden Junta in Kraft, und das war zum Vorteil des Armee-Generals. Seitdem die Junta in Chile im September des Vorjahres die Macht an sich gerissen hatte, war seine Absicht, als Alleinherrscher zu regieren, immer deutlicher zutage getreten. Es war ihm zudem gelungen, seine Gegner innerhalb der Junta zu isolieren und seine Macht auszubauen. Die neue Satzung legte nun fest, dass Pinochet als Präsident der Junta die alleinige Exekutivgewalt besaß. Er erhielt den Titel „Jefe Supremo de la Nación“ („Oberster Chef der Nation“) und mit diesem eine lange Liste an Privilegien und Vorrechten. Er saß fest im Sattel. Seine Diktatur sollte bis 1990 dauern.
Bis zum schicksalhaften 11. September 1973 hätten die meisten Chilenen einen Putsch in ihrem Land nicht für möglich gehalten. Die Loyalität und politische Neutralität der Militärs schien erprobt. Als der sozialistische Politiker Salvador Allende an der Spitze eines Linksbündnisses die Wahlen von 1970 für sich entschied (DAMALS, 9-2020), passte das vielen Generälen zwar nicht, dennoch zeigten sie sich als gehorsame Diener des demokratischen Systems und ließen sich zunächst auch nicht von Rechtsextremisten beirren, die in Zusammenarbeit mit der CIA einen Militärputsch anzustoßen versuchten.





