Bereits während seines Maschinenbau- und Bildhauerei-Studiums begann Seidenstücker Anfang der 1920er Jahre im Berliner Zoo zu fotografieren. Mit seinen oftmals humorvollen Tierfotografien erlangte er rasch Bekanntheit. Doch nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen fesselten seine Aufmerksamkeit. Seidenstückers Aufnahmen erzählen – häufig mit einem Augenzwinkern – vom Alltag in der Großstadt, von Kinderspielen auf der Straße und dem regen Treiben auf den Berliner Bahnhöfen. Viele seiner Fotografien von einfachen Leuten wie Kofferträgern und Zeitungsverkäuferinnen lassen jedoch auch die sozialen Gegensätze der Zwischenkriegsjahre durchscheinen. Nach Seidenstückers Tod im Jahr 1966 geriet sein Werk zunächst weitgehend in Vergessenheit. Historikern, Sammlern und Archivaren gelang es jedoch, sein Werk zu sichern und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.





