Bücher Gefährdetes Herculaneum Die Ruinen und Funde der beiden im Jahr 79 n. Chr. verschütteten Vesuv-Städte gehören seit dem 18. Jahrhundert zu den Fixpunkten des kulturellen Gedächtnisses Europas. Mag Herculaneum auch weniger Touristen anziehen als das bekanntere Pompeji, stellen sich die Probleme der archäologischen Erforschung und des Schutzes in beiden Städten doch sehr ähnlich dar. Andrew Wallace-Hadrill, langjähriger Direktor der „British School“ in Rom und der momentan wohl beste Kenner der Verhältnisse, legt ein Werk vor, das seinerseits eine gleichsam archäologische Struktur aufweist. Auf der Oberfläche ist es ein großformatiges Coffee-Table-Book mit Fotos in bestechender Qualität, zum Teil panoramaartig auf Ausklapptafeln präsentiert, ergänzt um zahlreiche Graphiken. Wer jedoch etwa tiefer gräbt und sich auch in den Text vertieft, wird zunächst umfassend über die geologischen und vulkanologischen Verhältnisse, die Erdbeben und den finalen Ausbruch ins Bild gesetzt sowie über die Geschichte der von den Oskern gegründeten, in augusteischer Zeit – also erst spät, aber dafür umso
Andrew Wallace-Hadrill, Herculaneum. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2012, 352 Seiten, € 49,99. Weitere Literatur Marco Kircher, Wa(h)re Archäologie. Die Medialisierung archäologischen Wissens im Spannungsfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. transcript Verlag, Bielefeld 2012, 347 Seiten, € 32,80.
gründlicher – kulturell umgestalteten Stadt informiert. Anthropologische Untersuchungen und die Auswertung von Inschriften zeigen eine Siedlung mit einer kleinen, sehr wohlhabenden Oberschicht und einer großen Mehrheit an Sklaven und Freigelassenen von unterschiedlichem Status, während eine Mittelschicht kaum greifbar ist. Das Gesicht der wohlhabenden, von Mobilität und Dynamik geprägten Stadt, die öffentlichen Anlagen und privaten Bauten, Lebensstandard und Luxus sowie die Wohnungen und das Alltagsleben der unteren Schichten werden plastisch erzählt. Grundlage ist die Auswertung der Grabungsbefunde und Inschriften, ergänzt um sozialgeschichtliche Forschungen auf neuestem Stand. Ein Leitmotiv des Autors, das sich wie eine Erzader durch den Untergrund des gesamten Buchs zieht und immer wieder ans Licht drängt, ist jedoch seine brennende Sorge darum, wie die Zukunft der Stätten vor den Folgen von Inkompetenz, Desinteresse,
Nur ein eitler Verschwender? Friedrich der Große hat an seinem Großvater kaum ein gutes Haar gelassen. Zwar hatte Friedrich I. (1657–1713) für das Haus Hohenzollern die Königswürde gewonnen, doch sei diese für ihn nur ein „Werk der Eitelkeit“ gewesen. Dieses Bild des ersten preußischen Königs herrschte auch in der Geschichtsschreibung und in der populären Vorstellung lange vor. Einzig sein Einsatz für Kunst und Wissenschaft wurde ihm von kritischen Geistern zugutegehalten. Dieses einseitig negative Bild ist in jüngerer Zeit zwar bereits verschiedentlich korrigiert worden, doch geht Frank Göse, der an der Universität Potsdam lehrt, in seiner grundlegenden, auf intensivem Quellenstudium basierenden Biographie noch darüber hinaus. Er ist etwa davon überzeugt, dass das Bild des eitlen Verschwenders revidiert





