Auf drei Etagen werden in den originalen Produktionsräumen im Farina-Haus die Entwicklung des Eau de Cologne und die Lebensgeschichte seines Erfinders, der „absoluten Nase“ Farina, erzählt. Doch auch der Wandel Kölns in dieser Zeit ist ein Thema in dem Museum. Als Johann Maria Farina seinem Bruder 1709 von Italien nach Deutschland folgte, galt Köln in kultureller Hinsicht als das Rom des Nordens – und war doch eine bemerkenswert schmutzige Stadt voller sozialer Gegensätze: Gerber kippten stinkende Brühen in Bäche, während Pferdemist und Unrat Plätze und Straßen verunstalteten. Die feine Gesellschaft aber frönte einem luxuriösen Lebensstil mit üppigen Festen. Um den Alltagsgestank der schnell wachsenden Stadt und die Ausdünstungen des eigenen Körpers zu überdecken – Wasser stand im Verdacht, Krankheiten zu übertragen, und wurde bei der täglichen Körperhygiene gemieden –, hüllte man sich in schwere Düfte wie Moschus, Sandelholz oder Ambra.
In der katholisch geprägten Stadt wurde man nur mit der „richtigen“ Konfession in eine Zunft aufgenommen. Daher waren Italiener im Vergleich zu Juden, Protestanten und anderen „Auswärtigen“ gern gesehen. Doch sie waren nicht nur katholisch, man trieb auch gern mit ihnen Handel. Wie viele ihrer Landsleute betrieben die Gebrüder Farina ein Geschäft für „französisch Kram“. Im Gegensatz zum heutigen Wortgebrauch war dieser „Kram“ besonderer Luxus: Seiden, edle Spitzen, kostbare Gewürze und die ersten Duftwässerchen.
Schon kurz nach seiner Ankunft in Köln eroberte Johann Farina Generationen der High Society mit seiner Eigenkreation, dem Eau de Cologne. Zunächst noch als Wunderwasser zur äußeren und inneren Anwendung vertrieben, verschob sich das Gewicht des frischen und leichten Duftes schnell ins Olfaktorische. Von Kaiser Napoleon I. heißt es, er habe zur Erfrischung eine Flasche am Tag verbraucht, die er in eigens dafür geschusterten Stiefeln verstaute. Eine kostspielige Erfrischung, verschlang ein Flakon damals doch noch ein sechsmonatiges Beamtensalär. Von weit her traf man sich bald in Farinas Belle Étage in der Großen Budengasse bei Wein und kandierten Früchten, um den Duft zu kaufen.
Im Museum zeugen vom damaligen Luxus ein Gobelin von 1750, dessen Gegenpart heute im Louvre hängt, und ein raffinierter chinesischer Reiseschrank. In die ausgestellte Weltkarte von 1715 trug Farina akribisch die Versendungen des aqua mirabilis durch „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ ein. Bis heute trägt das Unternehmen diesen Namen, der daher rührt, dass es vor der Französischen Revolution in Köln noch keine Hausnummern gab und Steinhäuser zur Unterscheidung Namen trugen.




