Im März 1933, nur acht Wochen nach der Machtübernahme Adolf Hitlers, eröffnete das nationalsozialistische Regime sein erstes Konzentrationslager: Auf dem Gelände einer stillgelegten Munitionsfabrik am Ortsrand von Dachau ließ Heinrich Himmler ein erstes dauerhaft betriebenes Lager für Gefangene errichten. Die Organisation und der Aufbau dieses Lagers wurden als „Münchener Modell“ das Vorbild für die meisten anderen Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis in Europa. Das KZ Dachau diente zudem bis in den Zweiten Weltkrieg hinein als Ausbildungsort für SS-Offiziere und KZ-Wachmannschaften. Anfangs wurden im KZ Dachau vor allem politische Gegner inhaftiert, später auch Kriegsgefangene, Homosexuelle, Sinti und Roma sowie Juden. Heute erinnert die KZ-Gedenkstätte Dachau an ihr Schicksal.
Menschliche Überreste aus den Öfen des Krematoriums
Im Rahmen einer Neugestaltung der Gedenkstätte und Umbauarbeiten finden zurzeit an mehreren Stellen des ehemaligen Lagergeländes Ausgrabungen statt. Im Rahmen dieser Ausgrabungen im KZ Dachau wurden nun im Bereich des ehemaligen Krematoriums neue Relikte aus der NS-Zeit entdeckt. Unter anderem stießen die Archäologen im Erdreich auf eine Schicht von mit Schlacken und Knochenfragmenten versetzter Asche. Sie gehen davon aus, dass es sich dabei um menschliche Überreste aus den Öfen des Krematoriums handelt.
„Die sensiblen Funde menschlicher Überreste erfordern einen behutsamen Umgang. Die KZ-Gedenkstätte Dachau befasst sich mit der Frage, wie dem sensiblen Befund künftig angemessen Rechnung getragen, das Areal als Erinnerungsort erschlossen und der Opfer an diesem Ort gedacht werden kann“, erklärt Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau. Insgesamt waren in den zwölf Jahren seines Bestehens mehr als 160.000 Menschen im Konzentrationslager Dachau und seinen Außenlagern inhaftiert, gut 41.000 der KZ-Häftlinge starben – die meisten von ihnen durch Hunger, die harte Zwangsarbeit und Krankheiten, andere durch Erschießungen, medizinische Experimente oder bei Todesmärschen kurz vor Kriegsende.
Zwinger der SS-Hundestaffel
Direkt angrenzend an das Krematorium legten die Ausgrabungen auch die Fundamente von mindestens 35 Hundezwingern frei. In diesen waren die Hunde untergebracht, die von den SS-Wachmannschaften zur Bewachung und Einschüchterung der KZ-Häftlinge eingesetzt wurden. Die Hunde – meist Schäferhunde, Dobermänner und andere größere Hunderassen – waren darauf trainiert, die Häftlinge auf Befehl oder bei Fluchtversuchen zu attackieren. Aus historischen Aufzeichnungen ist bekannt, dass die SS ab 1942 eine eigene Hundestaffel unweit des Krematoriums im KZ Dachau einrichtete und dort auch Hundeführer ausbildete.
„Die bei den jüngsten archäologischen Grabungen freigelegten Fundamente des Hundeführerbereichs erweitern unsere Erkenntnisse zu den von der SS abgerichteten Hunden, die zur Bewachung und Einschüchterung eingesetzt wurden und bei den KZ-Häftlingen gefürchtet waren“, sagt Hammermann. „Der Krematoriumsbereich und der Hundeführerbereich bildeten als Orte des Terrors eine enge funktionale Einheit.“ Neue Recherchen haben zudem ergeben, dass sich in diesem Areal auch die Krematoriumsverwaltung befunden hat, die die systematische Verbrennung und Beseitigung der Leichen organisierte und dokumentierte.
„Je leiser die Zeitzeugen werden, desto wichtiger wird die Rolle der Archäologie, um die Schauplätze von Zwang und Vernichtung des NS-Regimes zu erschließen und den richtigen Umgang damit zu ermöglichen“, kommentiert Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. „Dachau zeigt einmal mehr, dass die Auswertung von Bild- und Textquellen allein keine vollständigen Ergebnisse liefert. Es kommt darauf an, alle Zeugnisse zusammenzuführen. Der Boden wird damit zum letzten und unbestechlichen Zeugen der NS-Verbrechen.“
Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege





