Anna Magdalena habe dort Noten ihres Mannes kopiert, aber ihre Karriere als Sängerin aufgeben müssen und sich um die vier Stiefkinder sowie um ihre eigenen 13 Kinder gekümmert. Behauptet wird, sie sei nach dem Tod Bachs auf Almosen angewiesen gewesen, vergessen worden und in bitterer Armut gestorben.
Der Musiker und Historiker Ewald Spree hat sich ausführlich mit dem Leben der „Bachin“ befasst. Er vermag nach akribischen Quellenstudien andere Akzente zu setzen. So betont Spree, dass Anna Magdalena, die über einen hervorragenden Sopran verfügte und am Köthener Hof sehr gut bezahlt worden war, vermutlich auch in Leipzig weiter als Sängerin in privatem Rahmen aufgetreten ist. Außerdem muss sie als Geschäftspartnerin ihres Mannes angesehen werden.
Ihre Heirat war ein sozialer Aufstieg: Sie trat „in die Würde ihres Mannes“ ein, und wurde als „Frau Capellmeisterin“ tituliert. Diesen höfischen Titel behielt Anna Magdalena auch als Witwe bei. Zwar konnte sie einen angemessenen Lebensunterhalt aus ihrem Erbe, das aus einem Drittel der Vermögenswerte bestand, nicht bestreiten, doch erhielt sie als Capellmeisterin eine deutlich höhere Unterstützung von der Stadt als sonst üblich. Außerdem handelte sie mit Musikalien und vermietete wohl Wohnraum, war mithin nicht völlig verarmt, als sie 1760 verstarb.





