Die Olympischen Spiele der Antike hatten den Frauen noch bei Androhung der Todesstrafe sogar das Zuschauen verboten. Bei den Spielen der Neuzeit fand die Diskriminierung der Frauen “nur” noch auf der Wettkampfbahn statt. Bis zu diesen Sommerspielen von 1928, der IX. Olympiade zu Amsterdam. Erstmals gelang es dort den Damen, in “Olympias Sportart Nummer 1” einzubrechen: die Leichtathletik. Zwar waren in diversen Sportarten auch schon bei früheren Spielen Frauenwettbewerbe ausgerichtet worden, doch wie im Tennis oder Golf nur in Disziplinen, die ohnehin damals als “Frauensportarten” verspottet wurden. Außerdem waren diese Auftritte stets umstritten, und nicht zuletzt die Abneigung de Coubertins gegen jede Art von Damensport wirkte als schwer zu überwindendes Hemmnis. Doch allmählich wuchsa die Akzeptanz des Frauensports. Und so konnten die Damen erstmals Wettkämpfe im Hochsprung, Diskuswurf, 100 Meter, 4 x 100 Meter und über 800 Meter bestreiten. Die 800 Meter wurden dabei zur Bühne für den eindrucksvollen Einstand der deutschen Leichtathletinnen (erstmals seit dem Weltkrieg war überhaupt wieder eine deutsche Mannschaft zugelassen): Lina Radke-Batschauer gewann in neuer Weltrekordzeit von 2:16,8 Minuten. Allerdings sollte die resolute Breslauerin für mehr als 30 Jahre die einzige Siegerin über diese Distanz bleiben, denn der Anblick vieler Läuferinnen, die sich sichtlich quälten oder gar zusammenbrachen, gab den Kritikern der Frauenwettkämpfe erneut Auftrieb. Die 800 Meter wurden wieder aus dem Wettkampfplan gestrichen – ganz von der Aschebahn vertreiben jedoch ließen sich die Frauen nicht mehr.





