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Freiheitskämpfer zieht es über den Atlantik
Nachdem sich die Hoffnungen auf eine Demokratisierung in Deutschland 1848/49 zerschlagen hatten, wanderten viele der Revolutionäre in die USA aus. Durch den Bürgerkrieg erhielten sie eine zweite Chance, für die Freiheit zu kämpfen.
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Den Bürgern von St. Louis muss es in den Morgenstunden des 10. Mai 1861 so vorgekommen sein, als sei ihre Stadt in der Nacht auf wundersame Weise vom Mississippi an den Rhein verlegt worden. Lauter Trommelwirbel und der Klang stampfender Schritte hallten durch die Straßen. Nahezu 6000 bewaffnete Männer marschierten unter dem Jubel ihrer Angehörigen auf ein Armeelager vor den Toren der Stadt zu, wo eine größere Ansammlung sezessionistischer Truppen ausharrte. Der Treueschwur der Marschierenden galt der Union, doch das äußere Erscheinungsbild, das drei der vier Regimenter abgaben, deutete auf eine zweite Loyalität hin. Hemden und Hosen erinnerten an die badischen Freischärler der Unruhen von 1848/49. An den Hüten der Freiwilligen prangten schwarz-rot-goldene Kokarden.
Viele der Schaulustigen, die an diesem Morgen die Straßen säumten, teilten die Herkunft und den Einwandererstolz der deutschstämmigen Soldaten. „Den Älteren strömten Freudentränen über die Wangen“, notierte ein anwesender Journalist, der den Geist vergangener Revolutionen durch die Parade wehen sah. Für den Verleger Heinrich Börnstein, einen der Organisatoren dieses Aufmarschs, war der Zeitpunkt gekommen, um alte Rechnungen zu begleichen. „Möge die Hand der Sklaventreiber zittern wie einst die Häupter der Aristokraten im alten Europa! … Für Freiheit und Union, für die deutsche Ehre und Mannhaftigkeit!“
„Freiheitsliebende Deutsche“ positionieren sich im Streit um die Sklaverei
Kein Begriff war wohl prägender für die Selbstwahrnehmung der Revolutionsflüchtlinge von 1848 als der des „freiheitsliebenden Deutschen“. Er bündelt Mythos und Realität und verschränkt die historischen Erfahrungen einer der bekanntesten Auswandererkohorten auf zwei Kontinenten. Bis heute dient er als Chiffre für eines der erstaunlichsten Comebacks der neuzeitlichen Geschichte: Von den reaktionären Fürsten Europas verjagt, verhalfen die Achtundvierziger der Partei der Freiheit im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865, der gelegentlich auch als zweite amerikanische Revolution bezeichnet wird, zum Sieg.
Im Licht dieser liberaldemokratischen Fortschrittserzählung mag es nicht verwundern, dass diesen unermüdlichen Freiheitskämpfern eine hohe Denkmaltauglichkeit attestiert wird, wie es 2016 der Autor Dirk Kurbjuweit im „Spiegel“ tat. Wer als Historiker über Freiheit spricht, sollte sich jedoch nicht allein von hehren erinnerungskulturellen Absichten leiten lassen. Es muss im Sinn einer kritischen Geschichtswissenschaft darum gehen, ihre spezifischen historischen Aggregatzustände zu erfassen, ihre zeitgebundenen Möglichkeiten, Grenzen und Konjunkturen.
Dazu zählt die Einsicht des Historikers Eric Foner, dass die Geschichte der Freiheit die „eines essenziell umkämpften Konzeptes“ ist. In ihr steckt eine der zentralen Lektionen, die das Kapitel der Achtundvierziger und der transatlantischen Welt des mittleren 19. Jahrhunderts, in der sie sich bewegten, bereithält: Die Freiheit der einen meint nicht unbedingt die Freiheit der anderen.
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Wer waren die Achtundvierziger? Schon ihre zahlenmäßige Bestimmung wirft Fragen auf. Lange waren konservative Berechnungen wie die der Historiker Adolf Eduard Zucker und Carl Wittke das Maß aller Dinge. Nach deren Einschätzung waren es höchstens ein paar tausend Menschen, die in den Jahren nach der gescheiterten Nationalstaatsbildung in Deutschland aus rein politischen Gründen in die USA auswanderten. In vorderster Reihe standen liberale Heroen wie Friedrich Hecker, jener badische Radikaldemokrat, der als Anführer des nach ihm benannten Hecker-Aufstandes im April 1848 zur Ikone antimonarchischer Kräfte auf beiden Seiten des Atlantiks wurde.
Nachdem Heckers Traum einer Republik auf deutschem Boden im Kugelhagel zerschellte, floh er über die Schweiz und Frankreich in die USA, wo er mit Hilfe von Spenden sympathisierender Deutschamerikaner eine Farm in der Nähe von Belleville, Illinois, erwarb. Im Mittleren Westen fanden er und seine Mitstreiter ein neues politisches Betätigungsfeld, als sich der Streit um die Westexpansion der Sklaverei zuspitzte und 1856 mit den Republikanern eine schlagkräftige Anti-Sklaverei-Partei entstand.
Im Bürgerkrieg auf der Seite der Nordstaaten kämpfend, übernahm Hecker als Oberst das Kommando zweier deutschamerikanischer Regimenter. Die Niederlage der Unionsarmee bei Chancellorsville, Virginia, im Mai 1863 überlebte er knapp mit einer schweren Beinverletzung. Seinen Lebensabend verbrachte er auf seiner Farm in Illinois, kommentierte aber das politische Tagesgeschehen wortgewaltig bis ins hohe Alter. So näherte sich Hecker gar seinem Erzfeind Bismarck an, als er 1871 die Reichseinigung während des Deutsch-Französischen Krieges euphorisch begrüßte.
Carl Schurz schafft es bis zum US-Innenminister
Noch eindrucksvoller verlief die Karriere von Carl Schurz. Als junger Student in Bonn schloss er sich radikalen Zeitungsmachern an, die das Ende der Adelsherrschaft herbeischreiben wollten. Sein Geschichtsprofessor Gottfried Kinkel wurde für Schurz zu einem zweiten Vater. Ihm folgte er im Frühjahr 1849 in den Südwesten, wo die Entscheidungsschlacht zwischen Revolution und Reaktion bevorstand.
Nachdem die Festung Rastatt, die letzte Bastion der Aufständischen, vor der preußischen Übermacht kapitulierte, gelang Schurz die Flucht durch die Kanalisation. Im Untergrund organisierte Schurz Kinkels Befreiung aus einem Berliner Gefängnis, die nahezu filmreif glückte. Gemeinsam setzten sie sich von ihren Verfolgern ab, erst nach England und schließlich 1852 in die Vereinigten Staaten.
Wie besessen arbeitete Schurz in seiner neuen Heimat am Erwerb der englischen Sprache. Es war dieser Ehrgeiz, gepaart mit seinem rednerischen Talent, der den Grundstock für seinen kometenhaften Aufstieg legte. Schurz etablierte sich als Anwalt in Wisconsin und erwarb das Vertrauen des späteren Präsidenten Abraham Lincoln, der in ihm den idealen Stimmenfänger im deutschamerikanischen Wählermilieu sah. Den Bürgerkrieg verbrachte Schurz zunächst als Botschafter in Spanien, bevor er sich 1862 den Offiziersrock überstreifte und den Krieg im Rang eines Generalmajors beendete.
Zurück im zivilen Leben, wurde Schurz 1869 zum Senator von Missouri gewählt. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er 1876 mit der Ernennung zum Innenminister der USA: Keinem Einwanderer vor ihm war bis dahin eine solche politische Ehre zuteilgeworden. Auch deshalb ist Schurz’ Bekanntheitsgrad in den Vereinigten Staaten höher als in seinem Geburtsland. Seine Begegnung mit Bismarck, den Schurz 1868 während eines Deutschland-Besuchs traf und in eine Systemdebatte über demokratische und monarchische Staatsformen verstrickte, ist noch heute im Geschichtsunterricht an amerikanischen Highschools ein beliebtes Thema.
Inzwischen ist die Beschränkung der Achtundvierziger-Forschung auf einen harten Kern aus Berufsrevolutionären einer differenzierteren Betrachtung gewichen. Das Bild hat sich zum einen deutlich europäisiert. In der öffentlichen Wahrnehmung der Revolutionen in den USA waren der Kopf der ungarischen Unabhängigkeitsbewegung, Lajos Kossuth, dem die New Yorker 1852 einen rauschenden Empfang bereiteten, und der Protagonist des italienischen Risorgimento, Giuseppe Garibaldi, mindestens genauso präsent wie die deutschen Exilanten.
Zum anderen hat sich der Blick sozialhistorisch geweitet. So wie das Rinnsal der Revolutionsflüchtlinge in einem anschwellenden Migrationsstrom aufging, der zwischen 1840 und 1860 um die 1,5 Millionen deutschsprachige Einwanderer in die USA brachte, teilten viele, zumeist aus wirtschaftlichen Gründen emigrierte Handwerker und Lohnarbeiter die politischen Überzeugungen der Achtundvierziger-Intellektuellen.
Die Neuankömmlinge knüpften nicht nur an bestehende Migrantennetzwerke an, sondern veränderten diese nachhaltig. Die Belebung der deutschamerikanischen Presse, zahlreiche Vereinsgründungen und eine blühende ethnische Festkultur führten in den 1850ern zu einem Strukturwandel der deutschamerikanischen Öffentlichkeit.
An der Spitze dieser Bewegung standen die aus den napoleonischen Kriegen hervorgegangenen Turnvereine, die sich nach 1848 in den USA ausbreiteten und als „Pflanzschulen“ eines wehrhaften Auslandsdeutschtums inszenierten. „Wir können hier ein Vorspiel dessen geben, was Deutschland einst als Republik sein wird, und auch der steifste Yankee kann uns daraus keinen Vorwurf machen“, verkündete einer ihrer glühendsten Anhänger, der radikale Autor und einstige Weggefährte Heckers Gustav Struve.
Für ihren basisdemokratischen Ethnonationalismus ernteten die Achtundvierziger jedoch nicht nur Beifall. Alteingesessene Deutschamerikaner beschimpften sie als „Grünschnäbel“, die mit ihrem arroganten Auftreten fremdenfeindlichen Strömungen Auftrieb geben und somit liebgewonnene Freiheiten aufs Spiel setzen würden. Tatsächlich zeichnete die Propaganda der Nativisten, also der im Land Geborenen, die Achtundvierziger als langhaarige, gottlose Trunkenbolde, die dem Christentum den Krieg erklärt hätten. Statt in die Kirche zu gehen, zog es die Deutschen an den Wochenenden in ihre Turnvereine und Bierhallen, wo der Alkohol in Strömen floss.
Sogar deutsche Frauen und Jugendliche, wurde gemunkelt, betranken sich im Beisein der Männer hemmungslos – für die angelsächsischen Protestanten, die damals gerade für die Prohibition warben, ein Skandal.
Achtundvierziger provozieren die Mehrheitsgesellschaft der USA
In den Hochburgen der deutschen Einwanderung im Nordosten und Mittleren Westen war die Stimmung besonders aufgeheizt. Zusammenstöße zwischen bewaffneten Nativisten und Immigrantenmilizen waren an der Tagesordnung. Den blutigen Höhepunkt bildete eine Straßenschlacht in Cincinnati im April 1855 nach einer umstrittenen Bürgermeisterwahl. Bis zu zwölf Menschen kamen ums Leben.
Bei all der Feindseligkeit, die den Achtundvierzigern in der Fremde ins Gesicht blies, wäre es jedoch verfehlt, sie als unschuldige Opfer bornierter Ausländerfeinde zu betrachten. Erstaunlich war zum Beispiel die Dreistigkeit, mit der einige Exilanten die Germanisierung Amerikas forderten. In ungewohnter Schärfe geißelten sie die Aushöhlung des amerikanischen Freiheitsversprechens, das von „Sklavenbaronen“, „Pfaffen“ und „Geldbarbaren“ in den Schmutz gezogen worden sei.
Ihre Kritik richtete sich auch gegen andere Einwanderergruppen. Die Iren galten ihnen als kulturell rückständig und religiös verblendet und damit als völlig unfähig, die Rechte und Pflichten eines republikanischen Staatsbürgers auszuüben. Hier überschnitt sich die Religionsschelte der Achtundvierziger mit dem Antikatholizismus der Nativisten, die katholische Einwanderer als illoyale Handlanger der römischen Kurie denunzierten.
Zur selben Zeit schweifte der Blick der Revolutionäre gen Westen, der als quasi-kolonialer Sehnsuchtsort eine immense Bedeutung erlangte, nachdem die Hoffnung auf ein erneutes Aufflackern der Revolution in Europa erloschen war. Deutschsprachige Einwanderer waren im 19. Jahrhundert maßgeblich am Wachstum der drei „Frontier“-Städte St. Louis, Cincinnati und Milwaukee beteiligt.
Am Vorabend des Bürgerkriegs waren mehr als ein Drittel der Einwohner Milwaukees gebürtige Deutsche; nicht zuletzt deshalb verdiente sich die Stadt, in der das deutschamerikanische Leben florierte, den Namen „Deutsch-Athen am Michigansee“. Die utopische Vorstellung eines jungfräulichen Kontinents, in den freiheitssuchende deutsche Einwanderer hineinstießen, verdeckte jedoch den unbestreitbaren Anteil der Migranten an der Vertreibung und Dezimierung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas.
In ihrem teutonischen Sendungsbewusstsein standen die Achtundvierziger dem Expansionseifer angloamerikanischer Siedler um nichts nach. Die Native Americans sollten sich entweder, wie der Publizist Christian Esselen lakonisch bemerkte, an die „Zivilisation … gewöhnen“ oder, um erneut Gustav Struve zu zitieren, ihrem Schicksal als „unglückliche Rasse“ fügen, die von „Jahr zu Jahr mehr zusammenschmilzt“. Dass die US-amerikanische Pionierideologie des Manifest Destiny, die im 19. Jahrhundert die Eroberung des Westens zur historischen Bestimmung der USA erklärte, auch eine europäisch-deutsche Handschrift trug, lässt sich schwer leugnen.
In den Augen führender Achtundvierziger war der Behauptungskampf des deutschen Volkes diesseits und jenseits des Ozeans Männersache. Die Emanzipation der Frau, von Hecker spöttisch als „Weiberrechtelei“ abgetan, hatte einen schweren Stand. Davon konnte Mathilde Franziska Anneke ein Lied singen. Zusammen mit ihrem Ehemann Fritz, einem davongejagten Artillerieoffizier der preußischen Armee, kämpfte sie im badisch-pfälzischen Feldzug von 1849 auf der Seite der Aufständischen. Annekes Herz brannte ebenso leidenschaftlich für die Befreiung der Frauen vom Patriarchat wie für die Befreiung Deutschlands von der Adelsherrschaft.
Männer, die ihren Protofeminismus nicht teilten, bot sie wiederholt die Stirn. Carl Schurz hielt sie für einen aufgeblasenen Wichtigtuer. Dagegen zollten ihr die angloamerikanischen Suffragetten Respekt, indem sie Anneke zu ihren Versammlungen einluden.
Ihr privates Glück fand Anneke, als sie sich von Fritz entfremdet hatte, ebenfalls bei einer Amerikanerin. Mit der Dichterin Mary Booth, die Anneke 1858 in Milwaukee kennengelernt hatte, verbrachte sie die Bürgerkriegsjahre in der Schweiz, wo die beiden mit der Feder für die Sache der Nordstaaten warben und aufwühlende Anti-Sklaverei-Erzählungen im Stil von Harriet Beecher Stowes „Onkel Toms Hütte“ schrieben.
Die Beziehung endete tragisch – im April 1865 starb Mary an den Folgen einer unheilbaren Lungenkrankheit. Niedergeschlagen kehrte Anneke nach Wisconsin zurück. Dort gründete sie zusammen mit Cecilia Kapp das „Milwaukee-Töchter-Institut“, eine der progressivsten Mädchenschulen der Epoche, der sie bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 1884 vorstand.
So außergewöhnlich Annekes Leben verlief, ihre Haltung zur Sklaverei und den Afroamerikanern unterschied sich kaum von der Mehrzahl ihrer Weggenossen. Ihre Gegnerschaft zur Peculiar Institution des US-amerikanischen Südens war das Resultat einer kulturellen Transferleistung. In den Sklavenhaltern der Baumwollstaaten erkannten die Revolutionsmigranten Geistesverwandte der europäischen Feudalherren – nordamerikanische Ableger einer reaktionären Internationale, die die universellen Menschenrechte mit Füßen trat.
Zwar halfen die Achtundvierziger mit, den Abolitionismus – den radikalen Arm der Anti-Sklaverei-Bewegung – als bedeutende politische Kraft zu etablieren, auch gegen den Widerstand konservativer Immigranten. Wie die meisten ihrer angelsächsischen Verbündeten waren jedoch nur wenige bereit, den unterdrückten Afroamerikanern völlige soziale und politische Gleichheit in Aussicht zu stellen. Zu den bisher wenig beachteten Langzeitfolgen der Nordamerika-Migration gehörte das Erlernen rassistischer Denkmuster der weißen Mehrheitsgesellschaft. Die Afroamerikaner galten den Achtundvierzigern als Kindervolk, welches den Zivilisationsprozess noch vor sich habe und diesen nur unter der Obhut seines weißen Retters meistern könne.
Die in Aussicht gestellte Freiheit stößt bald an ihre Grenzen
Ohne den Blutzoll vieler Auswanderer, die im Bürgerkrieg für die Union ihr Leben ließen, zu schmälern – nach Christian Esselen ging es bei der Sklaven-Emanzipation nicht in erster Linie um einen solidarischen Akt, sondern um eine „kulturhistorische Aufgabe“, die den deutschen Namen auf dem Altar der Freiheit verewigen sollte.
Ein allgemeines Urteil über die Achtundvierziger zu fällen ist aufgrund ihrer Heterogenität nahezu unmöglich. Das ideologische Spektrum war breit: Es reichte von marxistisch geschulten Kommunisten bis zu gemäßigten Liberalen. Eine kleine Minderheit separatistisch gesinnter Revolutionäre verschrieb sich sogar der Sache der Konföderierten. Dementsprechend vielfältig waren die Interpretationen der epochemachenden Formel von „Einheit und Freiheit“, deren Widerhall sich von den Barrikadenkämpfen der deutschen Märzrevolution bis zum Kanonendonner des Amerikanischen Bürgerkrieges erstreckte.
An der Migrationsgeschichte der Achtundvierziger lässt sich vieles ablesen, vor allem aber die durchaus widersprüchlichen Tendenzen der Nationalstaatsbildungen im Europa und Nordamerika des mittleren 19. Jahrhunderts. Der demokratische Nationalismus dieser Zeit verhieß einerseits Partizipation für bisher unterprivilegierte Schichten. Zugleich ging dieses Versprechen andererseits oft mit Abstufungen und Ausschlüssen gegenüber all jenen einher, denen in einer wie auch immer imaginierten politischen Gemeinschaft unterschiedliche Rollen zugewiesen wurden. In einer Zeit, in der die Freiheit expandierte, stieß sie somit auch schnell an neue Grenzen.
Autor: PD Dr. Mischa Honeck
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