“Bekanntermaßen besteht dermalen Unser einziges Plaisir in der Garten- und Blumen-Cultur”, ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts Karl Wilhelm, Stadtgründer und Markgraf von Baden-Durlach verlauten. Vermutlich hatten Markgrafen und Kurfürsten, Herzöge, Kronprinzen und Könige seinerzeit auch andere Freuden, doch stimmten sie sicher mit Karl Wilhelm überein: ihre Gärten zählten dazu. Unbedingt zu Schloß oder Sommerresidenz gehörig, gaben sie den Herrschenden die Möglichkeit, einerseits Macht und Reichtum zu präsentieren, andererseits sich zurückzuziehen in traute Ein- oder Zweisamkeit. Der Lauf der Zeit brachte sehr unterschiedliche architektonische und gärtnerische Gestaltungsweisen hervor: formal und akkurat etwa der Barockgarten, der Natur möglichst täuschend nachgeahmt der englische Landschaftsgarten, der sich auch in deutschen Landen allgemeiner Beliebtheit erfreute. In großem Stil und bis ins kleinste Detail ließen die Landesherren ihre Gärten planen und bepflanzen. Neben prachtvollen Blumen, Formbäumchen oder Nutzpflanzen fanden sich regelrechte Wälder; neben ikonographischen Figuren auch Labyrinth-Anlagen, Pavillons, Tempel und Moscheen und unter Herzog Carl Eugen von Württemberg in Hohenheim gar ein ganzes “Dörfle”, in dem der Herrscher mit seinen Untertanen Theater spielte. Inzwischen sind viele der Gärten (fast) verschwunden – verwildert oder moderner Stadtplanung gewichen; einige aber zeigen sich nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten wieder in alter Pracht. Solche wie solche stellt das Magazin “Fürstliche Gartenlust. Historische Schlossgärten in Baden-Württemberg” vor, indem es den Leser in Wort und Bild unter anderem nach Heidelberg und Stuttgart, nach Karlsruhe, Schwetzingen und Ludwigsburg führt – aber auch in den Barockgarten schlechthin: nach Versailles, was angesichts des Heft-Titels allerdings etwas fragwürdig erscheint. Die sprachlich wie kompositorisch teils mehr, teils weniger gelungenen Texte geben interessante Hintergrundinformationen über die Entstehung der Gärten und gartenbauliche Entwicklungen, über die Auftraggeber, Architekten und Gärtner, über historische Gartengeräte und Gartenarbeit. Zahlreiche Grundrisse, historische Bilder und aktuelle Fotos locken, den Baden-Würrtembergischen Gärten einen Besuch abzustatten, sich selbst zu überzeugen, was von den Plänen geblieben ist, zu entspannen und vielleicht nachzufühlen, was der Herrscher in seinem Reich empfunden haben mag. Ein wenig Jonglierkunst verlangt der Aufbau des Magazins dem Leser ab: Die Einteilung nach Zeitepochen erscheint zunächst logisch, bereitet jedoch spätestens dann Schwierigkeiten, wenn ein Garten zunächst in barockem, später in englisch-landschaftlichem Stil gestaltet war – und dementsprechend im Heft in mehreren, nicht zusammenhängenden Texten gezeigt wird. Als Anregung für den nächsten Sonntagsausflug ist das Magazin trotz der genannten Schwächen gut geeignet. Und wer den hier gezeigten Spuren folgt, kommt an mancher Stelle möglicherweise wie Johann Friedrich von Uffenbach 1731 zu dem Schluß: “Der Garten ist artig und nach der neuesten Art sehr angenehm angelegt, obwohlen gar nicht groß. Das Vornehmste allhier ist wohl die Menge der italienischen Gewächse und Bäumen, womit der Garten schier wie ein kleiner Wald bestellet ist. Viele Stücke darunter sind wegen ihrer ansehnlichen Größe in ihren besondern Kasten sehenswürdig, wozwischen die überlebensgroße schön gemachte ganze verguldete Statuen ein prächtiges Aussehen haben.”





