Gewaltige Gebäude, riesige Statuen und Obelisken zierten einst eine der beeindruckendsten Monumentalanlagen des alten Ägypten: Mehr als 2500 Jahre lang bildete der Tempelkomplex von Heliopolis ein theologisches Zentrum des Reichs am Nil und ist aus vielen Überlieferungen bekannt. Die Bedeutung des Heiligtums basierte auf der Vorstellung, dass sich dort der Urhügel befunden hat, auf dem der altägyptischen Mythologie zufolge die Welt erschaffen wurde. Zudem galt Heliopolis als die irdische Heimat des Sonnengottes. Im Laufe der altägyptischen Geschichte haben zahlreiche Pharaonen die Kultstätte erweitert und umgestaltet. Heute ist von der antiken Pracht allerdings kaum noch etwas übrig, denn die Anlage im Bereich des heutigen Kairo diente nach dem Verlust ihrer Bedeutung als Steinbruch.
Der Monumentalanlage auf der Spur

Doch im Untergrund schlummern durchaus noch Zeugnisse der geheimnisvollen Tempelstadt, wie ein deutsch-ägyptisches Archäologenteam um Dietrich Raue von der Universität Leipzig in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat. Berühmt geworden ist ihr Grabungsprojekt im Jahr 2017: Sie entdeckten Teile einer ursprünglich etwa neun Meter hohen Kolossalstatue des Pharao Psammetich I, die den Tempelbezirk einst zierte.
Zuletzt hatten die Wissenschaftler im Mai für Aufsehen gesorgt, als sie unter anderem auf die Reste einer Mauer der Anlage gestoßen sind, die fünf bis sieben Meter dick war. Nun sind den Archäologen erneut besondere Funde geglückt.
Wie sie berichten, sind sie an einer Grabungsstelle auf die bislang ältesten bekannten Schichten im Bereich des einstigen Heliopolis vorgedrungen. In einer Tiefe von bis zu zwei Metern unter
dem Grundwasserspiegel fanden sie Reste von Gebäuden aus dem mittleren 4. Jahrtausend v. Chr. Darunter sind auch Spuren, die das Team als die Überreste der Feuerungsanlage einer Brauerei interpretiert, die offenbar damals die ansässige Bevölkerung mit Bier versorgte. Die Spuren stammen somit aus einer Zeit lange vor dem Bau der Pyramiden. Damals wuchsen der nördliche und südliche Landesteil Ägyptens gerade erst langsam zusammen. Sie besaßen vor den Königen der 1. Dynastie noch eine deutlich unterschiedliche Kultur, sagen die Ägyptologen.
Funde aus vier Epochen
In den darüber liegenden Schichten stießen sie ebenfalls auf interessante Funde: Es handelt sich dabei um Spuren von Brunnenanlagen aus der Übergangszeit von der 20. zur 21. Dynastie, also der Zeit um 1100 bis 1050 v. Chr. „Zudem entdeckten wir Fragmente von Rosengranitsäulen, Königssphingen und Keramikformen zur Herstellung von Fayenceamuletten“, berichtet Raue. Eine zweite Grabung, die wie die erste ebenfalls wegen geplanter Baumaßnahmen auf dem Gelände nötig war, lieferte hingegen einen Fund aus der sogenannten 3. Zwischenzeit






