Vor 400 Jahren, am 23. Mai 1618, landeten zwei Statthalter des in Wien residierenden Böhmenkönigs (und Kaisers) Matthias mitsamt ihrem Sekretär unsanft im Schlossgraben des Prager Hradschin. Einige Vertreter des oppositionellen böhmischen Adels hatten sie aus dem Fenster geworfen. Alle drei überlebten den „Fenstersturz“, aber die Ständeaktivisten erreichten das eigentliche Ziel ihres Mordanschlags doch: bewaffneter Kampf mit jener Wiener Zentralregierung, die in den Jahren zuvor die religiösen und politischen Spielräume der böhmischen Stände immer weiter eingeengt hatte.
Solche Konflikte zwischen Obrigkeiten, welche die Zügel anziehen wollten, und dadurch provozierten Landständen (also Vertretern des regionalen Adels und der großen Städte eines Landes) gab es im vormodernen Europa dauernd. In den Jahrzehnten um 1600 drehten sie sich, außer um staatsrechtliche, häufig auch oder vor allem um religiöse Fragen. Warum erwuchs aus den insofern zeittypischen regionalen Querelen Böhmens nun ein verheerender langjähriger Krieg? Warum ließ sich ganz Mitteleuropa, damals organisiert als „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ (die Geschichtswissenschaft spricht kürzer vom „Alten Reich“), vom böhmischen Konfliktherd anstecken? …
Autor: Prof. Dr. Axel Gotthard
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