Was den Vorrang des einen, des Papstes, erweisen sollte (sacerdotium), sollte zugleich die Eigenständigkeit des anderen, des Kaisers, bestärken (regnum). Nach einer ersten Machtprobe im 11. Jahrhundert spitzte sich der Konflikt zwischen Kaiser und Papst in staufischer Zeit erneut zu. Staufische Universalherrschaft prallte auf den päpstlichen Anspruch, der Stellvertreter Christi auf Erden zu sein. Regnum und sacerdotium markieren die Positionen im großen Kampf der beiden Universalgewalten.
Im 11. Jahrhundert hatte der sogenannte Investiturstreit das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Herrschaft auf den Prüfstand gestellt. Entbrannt an der Frage um die Einsetzung der Bischöfe, entwickelten sich daraus neue Ordnungsvorstellungen, die dem Papst eine Rolle als Mittler zwischen Gott und den Menschen zuwiesen. Sinnfälliger Ausdruck für die wachsende Autorität der Kirche bleibt das Bild des büßenden Königs Heinrich IV. vor den Burg‧toren in Canossa. Der päpstliche Bannspruch forderte die Unterwerfung des Saliers. Die deutsche Königswürde verlor ihre sakrale Aura. Das Verhältnis beider Gewalten hatte sich verschoben.
Die neue Ordnung schuf Unsicherheiten. Zögerlich waren die nächsten Versuche der Annäherung. Das Wormser Konkordat von 1122 löste zwar das Investiturproblem, war aber nur ein Kompromiss. In der Folgezeit musste das Verhältnis beider Gewalten neu gestaltet werden. Die Suche nach geeigneten Formen der Annäherung blieb aktuell. Drei Beispiele aus staufischer Zeit zeigen das Ringen um eine angemessene Ausgestaltung des Verhältnisses kirchlicher und weltlicher Macht und verdeut-lichen seinen Wandel seit den Ereignissen im Winter 1076/ 77.
Was die Theorie behauptete, musste die Praxis erweisen. Peinlich genau achtete man daher darauf, wie sich Papst und Kaiser begegneten. Ein persönliches Zusammentreffen kam einer Momentaufnahme im Verhältnis der Universalgewalten gleich. Detaillierte Absprachen und inszenierte Rituale regelten solche „Gipfeltreffen“. Längst haben wir heute die Bedeutung solcher Zeichen, Symbole und Gesten erkannt und erklären daraus mittelalterliches Herrschaftsverständnis und Rangdenken.
Unmittelbar nach seiner Erhebung zum König im März 1152 trat Friedrich Barbarossa bereits wie ein Kaiser auf. Stolz und selbstbewusst zeigte er dem Papst seine Wahl an und nannte sich „König der Römer und immer Augustus“. Freilich fehlte dem staufischen Herrscher in der Nachfolge römischer Cäsaren noch die Kaiserkrone. Erst 1155 machte er sich auf den Weg nach Rom, um sie zu erlangen. Zehn Tage vor der geplanten Kaiserkrönung fand das erste Zusammentreffen das Staufers mit Papst Hadrian IV. statt. Begleitet von hohen Würdenträgern, kam der Papst ins königliche Zeltlager in Sutri, 50 Kilometer nördlich von Rom. Doch weigerte sich Friedrich, das Pferd des Papstes am Zügel zu führen und dem Papst beim Absteigen zu helfen. Die Aufregung war groß. Empört verließen die Kardinäle das Lager. Der Papst verlangte Wiedergutmachung und verweigerte Friedrich den Friedenskuss, nachdem ihm der Staufer die Füße geküsst hatte. Am folgenden Tag wurde der Empfang wiederholt. Friedrich ritt dem Papst entgegen, stieg vom Pferd, führte das Pferd des Papstes bis zum Zelt und half dem Papst beim Absteigen, indem er den Steigbügel hielt; dar-aufhin empfing Barbarossa den Friedenskuss.





