Schande, Schande! Jetzt bewilligt Baden Preßfreiheit und lässt die frühere Rücksicht auf den Bundestag augenblicklich fallen, verspricht Geschworenengerichte, giebt Bürgerbewaffnung und Volksversammlung zu! Jetzt redet der Bundestag – seit dreißig Jahren zum erstenmal – die Deutschen an, verspricht nationale Förderung! Jetzt willigt der Hamburger Senat in die Reform der Verfassung! Jetzt sind sie Alle so artig, so willig! Schande, Schande über die jetzige Feigheit wie über den früheren Trotz!“
Mit diesem leidenschaftlichen Kommentar begleitete am 3. März 1848 der ehemalige preußische Gesandte Karl August Varnhagen von Ense (1785 –1858) die durch die Pariser Februarrevolution ausgelösten Reaktionen im Deutschen Bund. Reform und Wandel waren also doch und sogar schnell möglich, nur brauchte es offensichtlich das Gefühl existentieller Bedrohung, bevor sich Monarchen und ihre Regierungen dazu entschließen konnten, auf die Anliegen und Wünsche der eigenen Bevölkerung einzugehen.





