Einer der bedeutendsten Historiker unserer Tage ist der Engländer Eric Hobsbawm. Er steht wie kaum ein anderer für eine politisch engagierte, an den Grundannahmen des Marxismus orientierte Geschichtsschreibung; eine Orien?tierung, die er trotz Stalin, Einmarsch in die Tschechoslowakei und auch nach dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ nicht aufgab. Hobsbawms leidenschaftliches Verhältnis zum Kommunismus kann derjenige besser nachvollziehen, der sich mit der ausgesprochen lesenswerten Autobiographie des Historikers befaßt. Sie ist auf deutsch unter dem Titel „Gefährliche Zeiten“ erschienen. Dieses „Leben im 20. Jahrhundert“ umfaßt zahlreiche Stationen: Von der Geburt 1917 im ägyptischen Alexandria über Kinderjahre in Wien und – nach dem Tod der Eltern – einem kurzen Aufenthalt in Berlin bis zur Emigra?tion 1933 nach England führt der Weg des jüdischen Intellektuellen; seine Überzeugung, daß nur der Kommunismus eine sinnvolle Zukunftsvision bereit?halte, bildete sich also in Zeiten politischer Willkür und Gewalt heraus. Spannend und einfühlsam beschreibt der Jazz- und Bücherliebhaber Hobsbawm darüber hinaus seine Erlebnisse und Einschätzungen bis in die jüngste Zeit und charakterisiert die Zeitgenossen auf seinem Weg – ein ungewöhnlicher Blick auf das 20. Jahrhundert, wie er in der Historikerzunft wohl nur selten gelingt.
Rezension: Talkenberger, Heike





