Der Leiter der beauftragten Phonographischen Kommission Wilhelm Doegen beschreibt: „Es wurden aufgenommen: Worte (Musterwörter), Umgangssprache, Erzählungen, Lieder, Dialoge … und Musik.“
Die Überlieferung aus dem Archiv hat inzwischen eine vielfältige Forschung ausgelöst. Nur wenige der Texte sind allerdings bisher übersetzt. Die Publikation von Britta Lange (zu der auch eine CD gehört) präsentiert eine Auswahl der gesprochenen, neu übersetzten Texte und ihre kulturwissenschaftliche Auswertung sowie biographische Angaben zu den Sprechern. Diese kamen aus Großbritannien, Frankreich, dem Zarenreich, aus Rumänien, Tunesien, Westafrika und Indien. Ihr Buch betitelt Lange treffend mit „Gefangene Stimmen“, denn die Gefangenen konnten nicht frei über ihre Mitwirkung am Lautarchiv entscheiden.
Das Archiv war nicht dazu gedacht, persönliche Schicksale für die Nachwelt zu konservieren – quasi als Korrektiv der offiziellen Geschichtsschreibung –, sondern es sollte exemplarische Sprachbeispiele versammeln, um Wissen und Traditionen vor allem in den Kolonien zu erschließen. In diesem Sinn ist es ein „koloniales Archiv“, wie Lange betont.
Was aber kann man lesen und hören? Der Rumäne Ramadan Salibota etwa berichtet von seiner Gefangennahme, seiner Angst („die Deutschen schossen mit Pistolen und Maschinengewehren und sie machten das Wasser rot“) und seinem großen Hunger. Ein Mann namens Jámafáda aus dem heutigen Burkina Faso klagt, dass er seine älteren Brüder, seine Eltern und seine Frau und Kinder sehr vermisse. Er resümiert: „Der Krieg ist entsetzlich.“ Auch wenn die „Authentizität“ der Stimmen vielfach gebrochen ist, so wird man doch von ihnen sehr berührt.
Autorin: Dr. Heike Talkenberger





