Brieftauben hatten sich seit Langem als zivile „Briefträger“ bewährt. Sie überwanden schnell größere Distanzen, also lag ihr Einsatz im Krieg nahe. Hunde waren kleiner und beweglicher als menschliche Boten, weshalb auch sie speziell für militärische Zwecke trainiert wurden. Einen ersten Erfolg mit Brieftauben hatten die Franzosen anlässlich der Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 vermelden können: Mithilfe eines Ballons waren 354 Tauben in die Lüfte transportiert und außerhalb der Reichweite feindlichen Feuers freigelassen worden. Auf diese Weise sollen 50 000 mikroverfilmte Seiten über die deutschen Linien hinweg gelangt sein.
Die Züchtung von Brieftauben entwickelte sich angesichts der Technisierung der Nachrichtenkommunikation im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr zu einer reinen Freizeitbeschäftigung. Besonders beliebt waren Brieftauben in industriellen Gegenden Nordfrankreichs und in Belgien. In Deutschland gipfelte diese Popularität in der Gründung zahlreicher Vereine vor allem in den Industrieregionen an Rhein und Ruhr sowie in Sachsen.





