Man hatte sie vor etwa 300 Jahren in der Zoutsteeg Region auf der Karibikinsel St. Martin verscharrt – zwei Männer und eine Frau, die nun als “Zoutsteeg Three” bekannt sind. Die Merkmale ihrer Überreste hatten bereits nahegelegt, dass sie nicht ursprünglich von der Insel stammten. Sie besaßen angefeilte Zähne, was nahelegte, dass Afrika ihre eigentliche Heimat war und der Sklavenhandel sie nach St. Martin gebracht hatte. Doch woher genau stammten sie? Historische Daten belegen zwar das monströse Ausmaß des Sklavenhandels zwischen 1500 und 1850, doch die Volkszugehörigkeiten der etwa zwölf Millionen Opfer der Sklaverei sind bislang unklar.
Die Forscher von der Universität Kopenhagen und der Stanfort University haben nun Licht in dieses dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte gebracht. Es ist ihnen gelungen, den Zähnen der “Zoutsteeg Three” Erbgut zu entlocken. Da die Überreste drei Jahrhunderte lang im warmen Boden der Karibik schlummerten, war das Genmaterial stark fragmentiert. Die Forscher konnten es aber durch spezielle genetische Verfahren dennoch aufbereiten. So waren Vergleiche mit dem Erbgut von elf heutigen Bevölkerungsgruppen aus West- und Zentralafrika möglich.
Die Analysen ergaben: Die genetischen Merkmale einer der beiden Männer deckten sich mit denen von heutigen Angehörigen Bantu-sprechender Volksgruppen im Norden Kameruns. Die anderen beiden Sklaven besaßen hingegen genetische Übereinstimmungen mit Menschen im heutigen Nigeria und Ghana, zeigten die Auswertungen. “Wir haben festgestellt, dass trotz der Tatsache, dass die drei Personen an der gleichen Stelle begraben lagen und vielleicht sogar zuvor auf dem gleichen Schiff angekommen waren, sie aus verschiedenen Völkern Afrikas stammten”, resümiert Co-Autorin Avila-Arcos von der Stanfort University. „Sie haben demnach wohl auch verschiedene Sprachen gesprochen und die Kommunikation war schwierig”, ergänzt die Wissenschaftlerin.
Avila-Arcos zufolge wirft das Ergebnis nun eine interessante Frage auf: Wie hat die intensive ethnische Vermischung die Gemeinschaften und Identitäten der Menschen aus Afrika in ihrer neuen Zwangsheimat geprägt? Vielleicht können zukünftige Studien Antworten auf diese Frage liefern, hoffen die Forscher.





