Das Bündnis der Sowjetunion mit den Westmächten war nur durch die Politik Hitlers zustande gekommen und brach auseinander, sobald der Krieg gewonnen war. Die seit 1917 existierenden fundamentalen Gegensätze zwischen den Systemen bestanden unvermindert weiter fort, und auf beiden Seiten überwog nach dem Ende des gemeinsamen Kampfes bald wieder das Misstrauen.
Stalin hatte den USA und Großbritannien bei den Konferenzen von Teheran (November/Dezember 1943) und Jalta (Februar 1945) große Zugeständnisse abringen können: Die Sowjetunion behielt ihre Gebietsgewinne aus dem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt; Polen wurde auf Kosten Deutschlands nach Westen verschoben. Aber schon auf der Konferenz von Potsdam (Juli/August 1945) konnten wichtige Fragen nicht mehr einvernehmlich geregelt werden, und 1948 erreichte der Kalte Krieg mit der Berlin-Blockade seinen ersten Höhepunkt.
Rückblickend mag es so aussehen, als habe Stalin gezielt auf die Blockbildung hingearbeitet. Es ist allerdings keineswegs klar, dass er von Anfang an die Sowjetisierung Ostmitteleuropas und die Teilung Europas oder gar eine Expansion bis zum Atlantik anstrebte, um die „Weltrevolution“ voranzutreiben, wie westliche Analysen während des Kalten Krieges mutmaßten. Die Politik Stalins nach 1945 ist eher aus dem Trauma von 1941 zu erklären: Die neue Friedensordnung musste die Garantie bieten, dass Deutschland niemals wieder in der Lage sein würde, die Sowjetunion anzugreifen oder sich als Ganzes mit den Westmächten gegen die Sowjetunion zu verbünden.





