Das Reich der Inka erstreckte sich einst überein Gebiet, das den Norden des heutigen Argentinien und Chile, Teile von Bolivien, Ecuador und Peru sowie den Süden Kolumbiens umfasste. Ihre um 1200 gegründete Hauptstadt Cusco war das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des ausgedehnten Reichs, in ihr residierten auch die Herrscher der Inka.
Zwei verschiedene Gründungsmythen
Woher die Vorfahren dieser ersten Inka stammten, ist jedoch bis heute unklar. Einer der Gründe dafür: Aus der Zeit der Inka sind zwei unterschiedliche Gründungsmythen dieser Kultur überliefert. Nach dem einen wurde Cusco von Manco Capac und Mama Oclo gegründet, den Kindern der Sonne und Ureltern der Inka. Diese sollen im Titicacasee geboren worden sein und dann knapp 400 Kilometer nach Norden gewandert sein, bevor sie sich niederließen und Cusco gründeten. Der zweite Mythos berichtet, dass vier Brüder mit göttlichen Kräften in den Höhlen im Gebiet von Paccarictambo, 50 Kilometer südlich von Cusco geboren wurden.
Zwar sind dies nur Legenden, dennoch vermuten Wissenschaftler, dass in den Ortsangaben ein Körnchen Wahrheit steckt. Doch welcher Mythos stimmt, ließ sich bisher nicht feststellen – auch mangels schriftlicher Aufzeichnungen. Jose Sandoval von der Universität San Martin de Porres in Lima und seine Kollegen haben nun diese Frage mithilfe der Genetik untersucht.
DNA der Inka-Nachkommen
Ideal wäre es dafür, Erbgut aus den Mumien der frühen Inkaherrscher heranzuziehen. Doch alle Überreste dieser Könige wurden von den spanischen Konquistadoren vernichtet. Deshalb analysierten die Forscher für ihre Studie das Erbgut von 18 Personen, die als heutige Nachkommen der letzten Inkaherrscher gelten. “Die meisten von ihnen leben noch immer in der Gegend von Cusco, sie sind wahrscheinlich die homogenste Gruppe unter den heutigen Inka”, erklärt Sandovals Kollege Ronald Elward.
Um die väterliche und mütterliche Abstammung der Inka-Nachkommen rekonstruieren zu können, sequenzierten die Forscher die Y-Chromosomen sowie die mitochondriale DNA der Studienteilnehmer. Diese Erbguttteile werden immer nur jeweils vom Vater an den Sohn oder von der Mutter an ihre Nachkommen weitergegeben. Diese DNA-Sequenzen verglichen die Wissenschaftler dann mit Vergleichssequenzen von 2400 Menschen aus Peru, Bolivien und Brasilien.
Zwei Gründungsväter
Das Ergebnis: Möglicherweise steckt sogar in beiden Mythen ein Teil der Wahrheit. Denn wie die DNA-Vergleiche ergaben, gehen die Inka-Adeligen väterlicherseits auf mindestens zwei verschiedene Gründer zurück -repräsentiert durch die Y-Chromosom-Gruppen AWKI-1 und AWKI-2 . “Die patrilinearen Ursprünge deuten auf zwei Gründerväter zurück, die in der Zeit von 1000 bis 1500 nach Christus lebten”, berichtet Co-Autor Fabricio Santos von der Universität von Minas Gerais.





