Alles deutete darauf hin, dass die durch den Erbanspruch Sophies von Hannover begründete Personalunion zwischen dem Inselreich und dem Kurfürstentum Hannover politisch gefestigt und von der englischen Bevölkerung akzeptiert war. Dass der neue König aus dem Adelsgeschlecht der Welfen im Familienschloss Herrenhausen bei Hannover geboren war, sich häufig im Land seiner Geburt und Jugend aufhielt, dass er vorzugsweise Französisch und Deutsch parlierte – alles das war in dieser Zeit kein Makel und wurde öffentlich nicht kritisiert.
Doch Unsicherheiten blieben. In den 46 Jahren, die Georg II. auf den Britischen Inseln lebte, davon 33 Jahre als König, besuchte er nicht ein einziges Mal Schottland, Irland oder den Norden Englands. Der englische Historiker Norman Davies, der ein faires Bild des umstrittenen Monarchen zeichnet, meint, dass sich der „deutsche Fürst auf dem britischen Thron“ seiner Position jenseits des Ärmelkanals nie ganz sicher war. Stets sei er in „Reichweite eines Schiffes“ geblieben, um notfalls fliehen und auf den Kontinent übersetzen zu können.
Davies betont aber zu Recht, dass Georg II., klein von Statur und mit „Augen, gewölbt wie Taubeneier“, dennoch kein ängstlicher und ungebildeter Mensch war. Er liebte die Armee, Militärparaden und die Royal Navy, ungeachtet mangelnder maritimer Erfahrungen. Mit echtem Interesse förderte er die Künste und die Wissenschaften. Die Schriften des Rechtsgelehrten und Philosophen Montesquieu hatte er gelesen. Den berühmten Franzosen traf er sowohl in London als auch in Herrenhausen. Montesquieu erinnerte sich später an einen „großartigen Gesprächspartner“. Während der Uraufführung von Händels „Messiah“ im Jahr 1743 würdigte der König das vierstimmige „Halleluja“, indem er sich von seinem Sitz erhob. Das Publikum schloss sich der spontanen Geste an – und tut das manchmal auch heute noch.
Davies beschreibt mit leichter Hand und Freude am Detail die komplizierten dynastischen Beziehungen und darüber hinaus eine große Epoche europäischer Geschichte, in der der Wille eines Monarchen oder (was seltener war) einer Monarchin, die Politik bestimmte. Aber ein Tyrann war Georg II. nicht, auch wenn seine Wutanfälle in der Familie und im St. James’s-Palace gefürchtet waren. Seine vielfältigen Aktivitäten, die dem Wohl seiner Untertanen in Kurhannover und seinen drei Königreichen dienen sollten, machten ihn zu einem „guten“ Herrscher.
Dass seine Persönlichkeit dennoch selbst für den Biographen blass bleibt, räumt auch Davies ein. Memoiren oder Tagebücher hat Georg II. nicht verfasst. So verharrt vieles von seinem Leben und seinen Gedanken im Dunkeln. Als Deutscher 1683 geboren, starb er als Brite 1760 im Londoner Kensington-Palast. In der Westminster-Abtei, in der er gekrönt worden war, fand er sein Grab. Mit einem Denkmal wurde er in seinen Königreichen nicht geehrt.





