Die ehemalige Benediktiner-Abtei Glastonbury Abbey in Somerset ist schon seit Jahrzehnten ein Ort intensiver archäologischer Forschung. Dabei verkündeten vor allem Ausgräber in den 1950er und 60er Jahren geradezu sensationelle Funde: So entdeckte ein Team um den Archäologen Ralegh Radford dort einen frühchristlichen Friedhof, Überreste eines angelsächsischen Klosters, das als das älteste in England galt und den Ort, an dem der sagenhafte König Artus begraben wurde.
Doch wie korrekt waren diese Interpretationen der damaligen Funde? Um das zu überprüfen, führten Roberta Gilchrist von der University of Reading und ihre Team vier Jahre lang eine erneute Analyse und Bestandsaufnahme von archäologischen Funden und Aufzeichnungen durch, die zwischen 1904 und 1979 in Glastonbury gemacht wurden. Jetzt liegen die Ergebnisse vor – und enthüllen Überraschendes.
Zu jung für König Artus
“Dieses Projekt hat die Geschichte von Glastonbury Abbey komplett umgeschrieben”, sagt Gilchrist. “Mit Hilfe der Technologie des 21. Jahrhunderts haben wir die Mythen und Legenden hinter uns gelassen, um die wahre Geschichte dieser Abtei zu enthüllen.” Denn wie sich zeigte, lagen die früheren Archäologen bei ihrer zeitliche Einordnung und den Interpretationen der Funde oft ziemlich daneben.
So entpuppte sich der vermeintlich frühchristliche Friedhof als jüngeren Datums als die im 10. Jahrhundert errichtete angelsächsische Kirche. Bei dem angeblich bereits von mittelalterlichen Mönchen “entdeckten” Grab von König Artus handelte es sich dagegen um eine Grube in diesem Friedhof, die Material aus dem 11. bis 15. Jahrhundert enthielt, wie die Forscher berichten. Damit jedoch sind diese Funde viel zu jung, um mit dem der Überlieferung nach um 500 gestorbenen König Artus in Verbindung zu stehen.
Früheste Glaswerkstatt des angelsächsischen Englands
“Wahrscheinlich war das Urteil der damaligen Archäologen durch die Mythen rund um die Abtei getrübt”, vermutet Gilchrist. “Sie waren damals historischen Quellen gegenüber weniger kritisch als wir heute und hatten zudem nicht den Luxus der heutigen Technologie.” So enthüllten neue Radiokarbon-Datierungen und chemische Analysen, dass sich auf dem Gelände der Glastonbury Abbey bereits angelsächsische Glaswerkstätten befanden.
“Wir haben ein frühes Holzgebäude von hohem Status und einen großen Handwerker-Komplex identifiziert”, berichtet Gilchrist. In diesen Werkstätten fanden sich die Überreste von fünf Glasöfen aus der Zeit um 700. “Dies repräsentiert den frühesten und substantiellsten Beleg für Glasverarbeitung im angelsächsischen England”, so die Archäologin. Zudem stießen die Forscher auf Weingefäße aus Keramik, die damals aus dem Mittelmeerraum importiert worden sein müssen.





