Die Geschichte der Juden in Deutschland – wer wird da nicht zuerst an Antisemitismus, Verfolgung und Vernichtung in der Nazizeit denken? Das umfassende, von der an der New York University lehrenden Professorin Marion Kaplan herausgegebene Handbuch zur jüdischen Alltagsgeschichte vom 17. Jahrhundert bis 1945 geht selbstverständlich auch ausführlich auf diese bedrückenden Zusammenhänge ein. Darüber hinaus aber öffnet es den Blick für frühere Zeiten, die den im Deutschen Reich lebenden Juden wechselhafte Geschicke bescherten – Fortschritte und massive Rückschläge wechselten sich ständig ab. Das Buch spürt in einer Mischung aus anschaulichen Schilderungen und analytischen Passagen dem Lebensumfeld der Juden nach, dem Familienleben, der Erziehung und Bildung jüdischer Kinder, der Integration bzw. dem Ausgeschlossensein aus dem Wirtschaftsleben, der Religiosität und dem Gemeindeleben sowie den sozialen Beziehungen. Die gleichbleibende Gliederung für die vier zeitlich gegliederten Abschnitte der Darstellung – 1618 bis 1780, 1780 bis 1871, 1871 bis 1928 sowie 1918 bis 1945 – ermöglicht den systematischen Vergleich der jüdischen Lebensweise, die zwar oftmals von der Zurückweisung durch die christliche Umgebung geprägt war, doch auch immer wieder friedliche Koexistenz und Austausch mit ihr kannte.
Rezension: Talkenberger, Heike





