Reinhard Zöllner legt eine vorzügliche Darstellung mit kleinen Schwächen vor. Er nimmt eine gewaltige Aufgabe in Angriff – und muß streckenweise fast zwangsläufig scheitern. Über 200 Jahre japanische Geschichte, die nahezu lückenlos belegt sind, auf gut 400 Seiten darzustellen, ist ein fast unlösbares Vorhaben. Zwar ist sich Zöllner dieser Problematik bewußt, doch ist die Argumentation der Einleitung etwas holperig: Kein Historiker muß mit der Frage der (japanischen) Lebenserwartung argumentieren, um eine Darstellung der jüngeren japanischen Geschichte zu begründen. Die Arbeit erschlägt die Nutzer mit der Nennung einer Vielzahl von Personen; hat man sich aber eingelesen, bietet gerade diese Detailgenauigkeit faszinierende Einblicke. Hier ist auch das Glossar nützlich. Der Autor hat mit Akribie eine Vielzahl von Sekundärveröffentlichungen ausgewertet – Quellen im engen Sinne werden kaum herangezogen (hier wäre eine kurze Begründung in der Einleitung hilfreich gewesen). Der Autor beherrscht seinen Darstellungsgegenstand so gut, daß er sich auch sprachliche Eleganz leisten kann, die den Leser fasziniert. Bedauerlich sind dagegen Formulierungs- bzw. Definitionsschlampereien wie „bürgerliche Opposition“ oder „Wahlkreismandate“, bei denen es sich schlicht um Direktmandate handelt – eine Einbeziehung der deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Untersuchungen wäre hier sicher besser gewesen. Ohnehin sind die Auswahlkriterien der verwendeten Literatur nicht klar zu erkennen: Der Autor prunkt mit zahlreichen japanischsprachigen Zitaten, die für den Unkundigen bzw. ohne Kontext in ihrer Bedeutung nicht nachprüfbar sind und für den an Japan interessierten Histo‧riker, der keine Japanisch-Kenntnisse hat, ohne jede Bedeutung – gerade dieser Kreis aber sollte doch wohl schwerpunktmäßig angesprochen werden. Vielleicht das Ärgerlichste an der Veröffentlichung ist aber die fehlende Literatur‧liste, die vielleicht einige zitatbezogene Zusammenhänge aufgezeigt hätte. Das an sich eindrucksvolle Glossar enthält einige Fehler, die sicher durch ein sorgfältiges Lektorat in Zusammenarbeit mit dem Autor hätten ausgemerzt werden können. Die Arbeit bringt den Japan-Historikern nichts Neues. Aber wie es der guten Tradition der UTB-Veröffentlichungen entspricht, ist die Darstellung Zöllners eine hervorragende Einführung in die neuere Geschichte Japans, wobei die Darstellung der frühen Epochen deutlich überzeugender ausfällt als der Blick in die Gegenwart. Hübsch sind die ausgewählten Abbildungen, deren technische Qualität aber nicht sehr überzeugend ist.
Rezension: Pohl, Manfred





