Das sparsam bebilderte Werk von Dietz Otto Edzard ist das Ergebnis einer lebenslangen, professionellen Beschäftigung mit den Sprachen, der Geschichte und der Kultur des Zweistromlandes. Der Autor führt uns souverän durch drei Jahrtausende Geschichte in dieser Region von den Sumerern bis in die hellenistische Zeit (etwa 3200 v. Chr. bis zur Zeitenwende). Aus jedem Kapitel spricht eine intime Kenntnis der Quellen und der Sekundärliteratur, die bisweilen auch den Spezialisten zum Nachdenken anregt (warum etwa wurde das Hurritische im Gegensatz zum Amurritischen „literaturfähig“?) oder zum Widerspruch herausfordert (kann man die Sprache des Kodex Hammurapi wirklich als „makellos fehlerfrei“ preisen?). Dabei enthält sich Edzard auch nicht des Historiker-Urteils, so wenn er etwa mit Blick auf die mittelassyrischen Gesetze die „abscheulich-rigiden Bestimmungen über die Rolle und die ‚Rechte‘ der Frau“ geißelt oder die Statue Salmanassars III. als „hoch?gradig abstoßend“ bezeichnet. Das Buch ist lebendig geschrieben; wer schmunzelt nicht über den Vergleich prähistorischer Keramik und ihrer Verbreitung mit dem Meissener Porzellan und der Coca-Cola-Flasche? Edzards Buch, das auch einen ausführlichen Index bietet, kann als eine der besten Darstellungen mesopotamischer Geschichte jedem empfohlen werden.
Rezension: Streck, Michael





