Eindrucksvoll schon durch ihre Maße, die sich in der Länge auf stolze 64 Meter belaufen, beruht die suggestive Wirkung der Galleria Colonna ganz wesentlich auf ihrer prachtvollen Ausstattung und eleganten Pro-portionierung: Diese haben sie zum Vorbild für Galerien in ganz Europa werden lassen: Der Spiegelsaal in Versailles, die Bildergalerie des Berliner Stadtschlosses, ja selbst der Ballsaal des italienischen Luxuskreuzfahrtschiffs „Conte di Savoia“ in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zitieren die Galleria Colonna und liefern den Beweis, dass bei der Suche nach künstlerischen Vorbildern im 17. Jahrhundert noch alle Wege nach Rom führten.
Politisch sah das bereits anders aus. Das Papsttum stand damals im Begriff, seinen Rang als eine Macht von europäischer Bedeutung zu verlieren. Spätestens mit den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück, die 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendeten, trat dieser Bedeutungsverlust allgemein zutage. Denn der Westfälische Friede war von den diplomatischen Vertretern des Heiligen Stuhls nicht akzeptiert, ja scharf zurückgewiesen worden. Papst Innozenz X. (1644–1655) hatte es strikt abgelehnt, die Protestanten als gleichwertige Vertragspartner anzuerkennen – und die übrigen Teilnehmer an den Verhandlungen hatten dies ebenso höflich wie achselzuckend zur Kenntnis genommen, um sodann zur Tagesordnung überzugehen.
Was der Stadt am Tiber zunächst jedoch blieb, war ihr Status als glanzvolle Bühne, als „Theater der Welt“, wie es die Zeitgenossen nannten. Mochte der Einfluss der Päpste auch zurückgehen, an der Kurie fanden sich nach wie vor hochrangige Vertreter aus dem gesamten katholischen Europa ein: nicht nur Bischöfe und Kardinäle, auch Sondergesandte und Botschafter und nicht zuletzt Angehörige der großen europäischen Herrscher- und Adelshäuser, die oftmals ohne offizielle Funktion, doch selten ohne inoffizielle Interessen am Tiber weilten. Zu dieser Weltoffenheit trug nicht nur die Rolle des Papstes als Oberhaupt der katholischen Christenheit bei. Dazu kamen die internationalen Kontakte der römischen Aristokratie, die gewohnt war, ihre Ehepartner nicht nur unter der kleinen Schar gleichrangiger Familien in der Ewigen Stadt zu suchen, sondern Verbindungen nach ganz Europa zu unterhalten. Oftmals waren es gerade diese Heiraten, die bei den Zeitgenossen besondere Beachtung fanden.
Keine andere Eheschließung des 17. Jahrhunderts kommentierte der notorisch klatschfreudige römische Volksmund mit größerer Begeisterung als diejenige zwischen Fürst Lorenzo Onofrio Colonna und Maria Mancini. Hier der römische Aristokrat aus ältestem Uradel, auf den seine Familie so stolz war, dass der Begriff superbia colonnese (Colonna-Hochmut) zu den stehenden Wendungen im Rom dieser Jahrzehnte gehörte. Bis in die Zeiten der römischen Republik führte der Klan seine Wurzeln zurück, und wenn eine derartige genealogische Verankerung in den Urgründen der römischen Geschichte zweifelhaft erscheinen mochte, so war es die Vielzahl weltlicher und geistlicher Würdenträger, die dem Haus entstammte, nicht. Bischöfe und Kardinäle hatten die Colonna gleich reihenweise gestellt und mit Martin V. (1417–1431) auch einen Papst.





