Die Situation von Frauen war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost- und in Westdeutschland sehr ähnlich: Die sogenannte Aufbaugeneration war durch dieselbe Sozialisation geprägt – im Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik und schließlich während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Frauen hatten in den 1920er Jahren weitreichende Liberalisierungen erlebt, die mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft 1933 wieder zurückgedrängt werden sollten. Die Frauen dieser Generation teilten zudem ähnliche Kriegs- und Nachkriegserfahrungen: Sie hatten während des Krieges die Männer in den Familien, in der Produktion sowie in der Landwirtschaft ersetzt und die Familien zusammengehalten.
Nach Kriegsende teilten sie auf dem Gebiet der späteren DDR die Angst vor sexueller Gewalt durch Soldaten der Roten Armee. Schätzungen besagen, dass damals Frauen zu Zehntausenden Opfer von Vergewaltigungen wurden. Da viele Männer im Krieg gefallen waren oder sich noch in Gefangenschaft befanden, übernahmen Frauen auch nach 1945 die Rolle der Familienvorstände. Obwohl viele von ihnen die Erfahrung gemacht hatten, dass sie die Aufgaben und Rolle der Männer ausfüllen konnten, blieb das Rollenverständnis weitgehend stabil. Der abwesende Mann blieb das Familienoberhaupt, dessen Stellung die Frau der Umstände wegen vorübergehend einnahm.





