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Gleichberechtigung hinter der Mauer
In Sachen Gleichberechtigung gilt die Frauenpolitik in der ehemaligen DDR bis heute als vorbildlich. Auch wenn nach 1989 kaum noch etwas Bestand hatte und vieles kritisch hinterfragt wurde: Die damit verbundenen Errungenschaften des SED-Staats wurden gegen jede Kritik verteidigt. Aber wie war die Lage der Frauen in der DDR wirklich?
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Die Situation von Frauen war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost- und in Westdeutschland sehr ähnlich: Die sogenannte Aufbaugeneration war durch dieselbe Sozialisation geprägt – im Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik und schließlich während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Frauen hatten in den 1920er Jahren weitreichende Liberalisierungen erlebt, die mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft 1933 wieder zurückgedrängt werden sollten. Die Frauen dieser Generation teilten zudem ähnliche Kriegs- und Nachkriegserfahrungen: Sie hatten während des Krieges die Männer in den Familien, in der Produktion sowie in der Landwirtschaft ersetzt und die Familien zusammengehalten.
Nach Kriegsende teilten sie auf dem Gebiet der späteren DDR die Angst vor sexueller Gewalt durch Soldaten der Roten Armee. Schätzungen besagen, dass damals Frauen zu Zehntausenden Opfer von Vergewaltigungen wurden. Da viele Männer im Krieg gefallen waren oder sich noch in Gefangenschaft befanden, übernahmen Frauen auch nach 1945 die Rolle der Familienvorstände. Obwohl viele von ihnen die Erfahrung gemacht hatten, dass sie die Aufgaben und Rolle der Männer ausfüllen konnten, blieb das Rollenverständnis weitgehend stabil. Der abwesende Mann blieb das Familienoberhaupt, dessen Stellung die Frau der Umstände wegen vorübergehend einnahm.
Mit der Gründung der beiden deutschen Staaten wurde 1949 die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik gesetzlich verankert. Während im Westteil Deutschlands traditionelle Ehe- und Familienvorstellungen erhalten blieben, wurde unter Gleichberechtigung in der DDR die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Produktionsprozess verstanden. Es ging darum, die einzig verfügbare Arbeitskräftereserve – Frauen – zu mobilisieren, denn angesichts der Millionen, die aus der DDR in den Westen flohen, fehlten überall Arbeitskräfte.
Der sozialistische Staat diffamiert Hausfrauen
Um Frauen (und vor allem auch deren Männer) für eine Berufstätigkeit zu motivieren, präsentierten vielfältige Kampagnen die Arbeitswelt als attraktiv: Nur in einer Berufstätigkeit würden Frauen ihre Erfüllung finden. Um eventuelle Probleme wie die Betreuung der Kinder oder die Bewältigung der Hausarbeit werde sich die Partei- und Staatsführung kümmern. Den Männern versprach man, sie würden durch die Berufstätigkeit ihrer Frauen keine Beeinträchtigung ihrer „häuslichen Bequemlichkeit“ erfahren. Frauen, die sich diesem Modell verweigerten, wurden als „Heimchen am Herd“, „Schmarotzerinnen“, „Faulenzerinnen“ oder „rückständige bourgeoise Dämchen“ diffamiert.
Dort, wo der Wille zur Erwerbsarbeit fehlte, halfen Partei und Staat mit gesetzlichen Regelungen nach. Mitte der 1950er Jahre wurde die Unterhaltspflicht bei einer Scheidung abgeschafft, so dass geschiedene Frauen, wenn sie nicht arbeiteten, mittellos dastanden. Zudem wurde 1968 die Pflicht zur Arbeit in die Verfassung der DDR aufgenommen, inklusive entsprechender Strafnormen. Mitte der 1950er Jahre waren bereits etwa 36 Prozent der Frauen in der DDR berufstätig, was die Bundesrepublik erst Ende der 1960er Jahre erreichte. Während in der DDR Ende der 1960er Jahre bereits 75 Prozent und Ende der 1980er Jahre über 92 Prozent der Frauen einem Beruf nachgingen, traf dies im Westen Ende der 1980er Jahre für etwas mehr als die Hälfte der Frauen zu.
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Beschränkten sich berufstätige Frauen in der Bundesrepublik meist auf eine Teilzeittätigkeit, war dies in der DDR nicht erwünscht. Teilzeit galt ebenso wie das Hausfrauendasein als „bürgerliche Erscheinung“, die zu bekämpfen sei. Um insbesondere Müttern die Berufstätigkeit zu erleichtern, wurden zahlreiche Gesetze erlassen. Diese sahen die Verringerung der Arbeitszeit oder die Gewährung eines monatlichen „Haushaltstages“ für verheiratete Frauen und Mütter vor.
Trotz der unterschiedlichen politischen Systeme hatten die Menschen in ganz Deutschland, unabhängig von dem Staat, in dem sie lebten, bis etwa Mitte der 1960er Jahre ähnliche Vorstellungen von den Geschlechterrollen: Eine Berufsausbildung für Mädchen wurde zwar mehrheitlich befürwortet, die höhere Bildung oder ein Studium sollten jedoch den Jungen vorbehalten bleiben. 1961 waren in Ost wie West etwa 25 Prozent der Studenten Frauen, obwohl jeweils etwa 35 Prozent Mädchen unter den Abiturienten waren.
Mütter scheinen ihren Töchtern damals in beiden deutschen Staaten von einem Studium abgeraten zu haben. Die Annahme dahinter: Männer würden Frauen, die ihnen überlegen seien, nicht mögen, denn diese seien zu wenig „fraulich“, zu selbstbewusst und nicht attraktiv, hieß es. Erst in den 1970er Jahren änderte sich das Bild: Im Westen machten junge Frauen etwa 40 Prozent der Studierenden aus, in der DDR waren es nun sogar mehr als 50 Prozent.
Die Situation der Frauen änderte sich Ende der 1960er Jahre. In beiden deutschen Staaten war nun die erste Nachkriegsgeneration erwachsen geworden. In der DDR hatte zudem die erste Schülergeneration die 1959 eingeführte zehnklassige allgemeinbildende Polytechnische Oberschule (POS) verlassen. Dort waren Mädchen und Jungen mit einem neuen Frauenbild aufgewachsen: Es sah vor, dass Mädchen selbstverständlich einen Beruf erlernen und diesen auch mit Familie weiter ausüben sollten.
Während Frauen im Westen auf Berufe wie Sekretärin, Verkäuferin, Krankenschwester, Telefonistin, „Vorführdame“ oder Buchhalterin orientiert wurden, warb man im Osten dafür, dass Frauen auch „Männerberufe“ erlernten, also zum Beispiel Traktoristin, Ingenieurin oder Mechanikerin werden sollten. Denn man könne den Sozialismus ja nicht nur mit „Friseusen“ und Verkäuferinnen aufbauen, wie Staats- und Parteichef Walter Ulbricht Anfang der 1960er Jahre erklärt hatte.
Viele Berufstätige fragen sich: „Bin ich eine gute Mutter?“
Um dieses Ziel zu erreichen, erhielten Frauen ohne oder mit einem niedrigen Berufsabschluss in „Frauenförderprogrammen“ die Möglichkeit, einen qualifizierteren Berufsabschluss zu machen – möglichst in einem technischen Beruf. Diese Programme hatten jedoch oft nicht die gewünschte Wirkung: Für viele Frauen war es neben Familie, Haushalt und Berufstätigkeit schlicht nicht möglich, noch zusätzlich in Abendkursen einen Abschluss nachzuholen.
Mit der Berufstätigkeit von Frauen in der DDR trat die Frage der Kinderbetreuung auf die Tagesordnung. Damit Frauen arbeiten gehen konnten, mussten für die Kinder Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden. Hierfür stellte die SED-Führung eine möglichst flächendeckende Kinderbetreuung von der sechsten Lebenswoche an in Aussicht. Die SED-Führung konnte Ende der 1960er Jahre vermelden, dass bereits für etwa 80 Prozent der Kinder ein Kindergartenplatz und für 60 Prozent ein Krippenplatz vorhanden sei. In Schicht arbeitende Mütter sowie Alleinstehende konnten ihre Kinder zudem in Wochenkrippen und Dauerheimen unterbringen. Ende der 1980er Jahre gab es schließlich für fast alle Kinder Betreuungsplätze in Krippen und Kindergärten.
So wichtig es für berufstätige Mütter war, ihre Kinder versorgt zu wissen, so sehr haderten dennoch viele Frauen damit, ihre Kinder früh in fremde Obhut zu geben. Immer wieder beschäftigten sich in den 1960er und 1970er Jahren Beiträge in der Frauenzeitschrift „Für Dich“ mit der Frage, ob eine Mutter, die ihr Kind bereits nach wenigen Wochen oder Monaten in eine Krippe bringt, eine gute Mutter sei und ob sie ihrem Kind genügend „Nestwärme“ geben könne. Die dazu erscheinenden Artikel beruhigten die Frauen: Mütter, die mit ihren Kindern zu Hause blieben, seien „Glucken“, die ihren Kindern eher schadeten; sie würden mit ihrer „Affenliebe“ kleine Egoisten oder Individualisten erziehen.
Außerdem, so der Tenor der Artikel, könne die moderne Frau Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen, auch wenn das nicht immer einfach sei. Schließlich würde die Berufstätigkeit die „Autorität“ der Frau in der Familie und bei den Kindern erhöhen. Begründet wurde die flächendeckende Krippen- und Kindergartenbetreuung aber nicht nur mit der Berufstätigkeit der Frauen, sondern auch damit, dass ausgebildete Erzieherinnen die Kinder viel besser betreuen und erziehen könnten als die Mütter selbst.
„Das bisschen Haushalt …“ oder: das Problem der „zweiten Schicht“
In Verbindung mit der Berufstätigkeit war auch die Hausarbeit immer wieder Thema. Im Osten und im Westen beklagten viele Frauen, dass das, was sie im Haushalt leisteten, nicht anerkannt werde. Nicht nur im Westen hätten viele Männer die Zeile „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“ – bekannt aus einem Schlager von Johanna von Koczian (1977) – unterschrieben. In der DDR wurde dies durch die von der SED betriebene Missachtung und Herabsetzung von Hausfrauen politisch befördert. Trotz der demonstrativen Abwertung von Hausarbeit wurde das Problem der „Doppelbelastung“ von Frauen in der DDR jedoch als brisant eingeschätzt.
Frauen war versprochen worden, dass eine Berufstätigkeit sie nicht überfordern werde, denn sie würden durch technische Geräte so stark entlastet werden, dass sie quasi arbeiten gehen müssten, um die dadurch gewonnene freie Zeit sinnvoll zu füllen, wie es in den Werbekampagnen der 1950er Jahre hieß. Meist sah die Realität anders aus: Viele Frauen klagten über die „zweite Schicht“, die sie nach der Arbeit im Beruf noch mit Einkauf, Haushalt und Kinderversorgung zu bewältigen hatten.
Zwar wurde offiziell zugegeben, dass die öffentlichen Dienstleistungen und die Ausstattung mit Haushaltsgeräten nicht ausreichten, um Frauen zu entlasten. Jedoch seien diese an ihrer Überlastung teils selbst schuld, da sie zu viel Zeit für überflüssige Dinge wie das Eindecken des Tisches aufwenden würden. Man müsse nicht vom Fußboden essen können, hieß es, an die Adresse der Frauen gerichtet. Auch das Kochen gehörte aus offizieller Sicht n die Kategorie „unnütze Hausarbeit“: Die Familien sollten stattdessen die Schul- und Betriebsspeisung in Anspruch nehmen.
Die Frauen in der DDR konnten diesem Dilemma nicht entkommen: Eine Mehrzahl von ihnen gab bei Befragungen an, dass sie arbeiten müssten, weil ein Verdienst für die Familien nicht ausreiche oder dass man sich als Familie mit zwei Einkommen eben mehr leisten könne, zum Beispiel in den Urlaub fahren.
Obwohl Frauen in der DDR immer wieder für ihre Leistungen gelobt wurden und ihnen bescheinigt wurde, sie seien unverzichtbar und würden „ihren Mann stehen“, verdienten sie im Schnitt 30 Prozent weniger als Männer. Zwar galt das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ seit 1947. In der Realität aber waren „Frauenberufe“ schlechter bezahlt als „Männerberufe“.
Auch im SED-Staat besetzen Männer die Führungsposten
Zudem erreichten Frauen weit seltener gutbezahlte Führungspositionen als Männer mit einer vergleichbaren Ausbildung. Je mehr Macht und Geld mit einer Position verbunden waren, desto seltener waren auch in der DDR auf dieser Ebene Frauen zu finden. Ein Grund dafür: Auch in der DDR hielt sich noch lange die Überzeugung, Frauen seien nicht für Leitungspositionen geeignet. Ihnen würden die nötigen Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Leistungsfähigkeit, Selbstbewusstsein und Belastbarkeit fehlen. Außerdem würden sie wegen der Betreuung ihrer kranken Kinder viel zu oft fehlen. Politisch waren Frauen trotz aller anderslautenden Erklärungen ebenfalls unterrepräsentiert. In der Volkskammer, dem Parlament der DDR, waren etwa 30 Prozent der Abgeordneten Frauen. Im Politbüro der SED, dem Zentralkomitee und anderen einflussreichen politischen Gremien blieben Männer meist ganz unter sich.
Die Belastungen durch volle Berufstätigkeit, Familie und Haushalt zeitigten schließlich ungewollte Folgen. Vor allem sank die Geburtenrate massiv. Obwohl die DDR bemüht war, sich als kinderfreundliche Alternative zur kapitalistischen Bundesrepublik darzustellen, lagen die beiden deutschen Staaten bei der Geburtenrate nah beieinander. Anfang der 1960er Jahre hatten Frauen in Ost und West im Durchschnitt 2,4 Kinder. In Umfragen gaben viele Frauen an, dass sie die hohe Belastung der eigenen Mütter erlebt hätten und sich nicht mehr als höchstens zwei Kinder vorstellen könnten. Zudem wurde der Wunsch nach einer Kleinstfamilie mit dem Lebensstandard begründet.
Um Frauen zu motivieren, mehr Kinder zu bekommen, wurden in der DDR seit Anfang der 1970er Jahre verstärkt Fördermaßnahmen für berufstätige Mütter beschlossen. Sie konnten ihre Arbeitszeit von 43,75 Stunden pro Woche auf 40 Stunden reduzieren. Zudem erhielten berufstätige verheiratete Frauen einen „Haushaltstag“. Auch wurden die Zeiten verlängert, in denen Frauen nach der Geburt der Kinder mit diesen zu Hause bleiben konnten. Mitte der 1970er Jahre durften Mütter ab dem zweiten Kind ein Babyjahr in Anspruch nehmen. Mitte der 1980er Jahre wurde dies auf das erste Kind ausgeweitet. Auch die Möglichkeit, mit der Geburt des dritten Kindes den üblichen Ehekredit nicht zurückzahlen zu müssen, trug nicht dazu bei, die Geburtenrate zu erhöhen. Bis Ende der 1970er sank diese auf 1,97 Kinder und Ende der 1980er Jahre weiter auf 1,52 Kinder.
„Leidet die Liebe unter der Berufstätigkeit der Frau?“, fragte im August 1973 ein Artikel in der „Berliner Zeitung“. Eine Umfrage hatte ergeben, dass insbesondere Männer der Meinung waren, dass die Berufstätigkeit bei Frauen zu „Gefühlskälte“ führe und damit einem harmonischen Ehe- und Familienleben abträglich sei. Die Zeitung hielt dagegen: Das moderne Familienmodell könne nur funktionieren, wenn Männer gleichberechtigt ihren Anteil an der Familienarbeit übernehmen würden: „Eine berufstätige Frau liebt differenzierter, empfindsamer, mit höheren Ansprüchen an die Persönlichkeit ihres Partners und mit höherer Qualität, aber sie ist nicht weniger zur Liebe fähig“, so lautete das Fazit des Zeitungsartikels.
Hohe Scheidungsraten spiegeln den Wandel des Familienbilds wider
Die Fakten sprachen gegen diese optimistische Sicht: Seit Ende der 1960er Jahre stiegen in der DDR die Scheidungszahlen. Wurden 1960 sowohl im Osten als auch im Westen etwa 14 Prozent der Ehen geschieden, stieg die Zahl in der DDR bis Ende der 1980er Jahre auf 38 Prozent. Hatten bis Anfang der 1970er Jahre auch in der DDR mehrheitlich Männer die Scheidungen betrieben, ging der Wunsch, die Ehe aufzulösen, nun immer häufiger von Frauen aus. Als einen der Hauptgründe für das Scheitern der Ehen gaben die Frauen an, ihre Männer könnten mit ihrem Selbstbewusstsein nicht umgehen und würden sie nicht ausreichend im Haushalt unterstützen. Ostdeutsche Männer beklagten dagegen, von ihnen werde nicht mehr nur erwartet, die Familie zu ernähren. Stattdessen würden Frauen in vielen Bereichen Mitsprache einfordern und Ansprüche stellen.
Trotz aller Widrigkeiten schafften es Frauen aus der DDR nicht erst nach 1989, wegen ihrer selbstverständlichen Art, Beruf, Kinder und Familie unter einen Hut zu bringen, zu Vorbildern gelungener Emanzipation zu werden. Das Beste an der DDR seien die Frauen, hieß es. Frauen im Osten galten als qualifizierter, ihre Berufstätigkeit wurde bewundert. Trotz aller Gleichberechtigung und Berufstätigkeit seien Ostfrauen weiblich geblieben, meisterten den Haushalt quasi nebenher und seien umgänglich. Im Westen genossen sie einen fast legendären Ruf.
Zwar wünschten sich viele Frauen zu DDR-Zeiten Erleichterungen bei der Bewältigung des täglichen Spagats zwischen Berufstätigkeit, Haushalt, Kinderbetreuung und Familie. Einen vollständigen Rückzug aus dem Arbeitsleben konnten sich jedoch nur die wenigsten vorstellen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Frauen vor dem Hintergrund ihrer individuellen Umbruchserfahrungen unmittelbar nach 1990 im Rückblick auf die DDR besonders die Möglichkeiten der Teilhabe und die Gleichberechtigung in ökonomischen Fragen als positiv bewerteten. Längerfristig meisterten Frauen die mit der Umgestaltung einhergehenden Herausforderungen besser als viele Männer und besser, als ihnen zugetraut wurde. Umfragen zufolge gaben 1996 77 Prozent aller Befragten (Männer und Frauen) an, dass sich mit der deutschen Einheit insbesondere die Situation für Frauen aus der DDR verschlechtert habe. Sie galten lange als die Verliererinnen der „Wende“. Frauen selbst jedoch sahen ihre Position weit positiver: 81 Prozent empfanden ihre Situation als besser als zu DDR-Zeiten.
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