Es war „der Höhepunkt meiner Tätigkeit in Politik und Beruf; denn ich saß plötzlich an einem Schalthebel“, erinnerte sich Elisabeth Selbert (1896–1986) später. Als eine von vier Frauen unter den 65 Abgeordneten zog sie 1948 in den Parlamentarischen Rat ein, der in Bonn tagte, um das Grundgesetz der im Entstehen begriffenen Bundesrepublik auszuarbeiten. Ein folgenreicher Satz hätte ohne ihre Unnachgiebigkeit wohl nie Eingang in Artikel 3 des Grundgesetzes gefunden: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Eine klare Formulierung ohne Haken und Fallstricke, für die Selbert hart kämpfen musste – auch gegen den Widerstand aus der eigenen Partei.
Wer war diese durchsetzungsstarke Frau? Martha Elisabeth Rohde wurde am 22. September 1896 in Kassel geboren. Ihr Vater war gelernter Bäcker, hatte in der Armee gedient, war im Dienst verletzt worden und arbeitete seither als Gefangenenaufseher. Ihre Mutter, Eva Elisabeth Rohde, geborene Sauer, stammte aus einer Bauernfamilie. Das Paar bekam vier Töchter; Elisabeth war die zweitälteste. Ihr Großvater war der Erste, der ihr geistiges Potential erkannte und förderte. Ihre Eltern folgten seinem Beispiel und eröffneten Elisabeth alle zur Verfügung stehenden Bildungsmöglichkeiten. Sie besuchte die Mittelschule, las Darwin, Rousseau und Kant, und sie wurde schließlich auch von ihren Pflichten im Haushalt befreit.





