Schwerter im See, blecherne Augen im Fluß, Münzen am Alpenübergang, menschliche Knochen im Graben – vielfältig sind die Funde, vielfältig die Fundorte, und doch ist allen eines gemein: sie haben kultischen Charakter. Oder werden jedenfalls so gedeutet. Zweifel bleiben, denn gerade da, wo archäologische, nicht aber schriftliche Quellen vorliegen, wird Forschung mitunter zu einem Ratespiel. In seinem Buch “Götter, Gaben, Rituale” nähert sich Felix Müller der Frage nach Kult oder Nicht-Kult argumentativ. Von der römischen Kultur und ihren religiösen Praktiken, die auch schriftlich überliefert sind, knüpft er Verbindungen zur mitteleuropäischen Frühgeschichte. Zutage kommen zahlreiche hoch interessante Funde und erstaunliche Übereinstimmungen. So hatten beispielsweise Quellenopfer bei Römern und Kelten einen ganz ähnlichen Stellenwert; und auch der trophäenhafte Umgang mit Beutewaffen findet sich in beiden Kulturen. Das reich bebilderte Buch sensibilisiert für die Schwierigkeiten bei der Bewertung archäologischen Materials gerade im religiösen Bereich – und weckt zugleich Interesse an einer weitergehenden Auseinandersetzung mit rituellen Praktiken der Frühgeschichte.
Rezension: Schulze, Margret





