Das religiöse Leben im Altertum gehört zu den vielfältigsten und spannendsten Phänomenen in der Kulturgeschichte dieser Epoche. Von Kultformen, die noch stark von der Einbeziehung natürlicher Phänomene geprägt waren, über polytheistische Weltbilder mit einer vielfältigen Mythologie bis hin zu Religionen mit einem hochabstrakten Monotheismus findet sich das ganze Spektrum religiöser Deutungssysteme. Das Buch von Holger Sonnabend begibt sich auf die Suche nach Spuren dieser Vielfalt. In einem weiten Bogen führt er den Leser nicht nur zum religiösen Leben in der antiken Mittelmeerwelt, sondern bezieht auch die mitteleuropäischen Kulturen der Kelten und Germanen sowie die des alten Orients mit ein. Der Autor beschränkt sich dabei nicht allein auf die Aspekte der Religion, sondern will dem Leser auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Kulturen verdeutlichen. Diese Tour d’Horizon setzt im Buch bei der griechischen Religion ein. Beginnend mit einer Charakteristik der Hauptgottheiten, entwirft Sonnabend mit großen Strichen ein Bild von der Entwicklung der Glaubens- und Ritualwelt und ordnet dieser die Aspekte der sozialen und politischen Sphäre zu. Diesen Aufbau behält er bei den anderen Kapiteln bei, wenn er etwa bei der jüdischen Religion zunächst einleitend auf die Problematik des Monotheismus eingeht, um dann diese Überlegungen in die alttestamentarische Gesellschaft einzubetten. Das Buch bietet ein Kaleidoskop an verschiedenen Informationen und Impressionen zu Kulten, Mythen und sakralen Mächten. Dass der Autor gerade auf diesen Eindruck des Variantenreichtums beim Leser abzielt, zeigt sich daran, dass Judentum und Christentum, griechische und römische Religion nicht aufeinanderfolgend dargestellt werden. Stattdessen mischt Sonnabend Religionen und Regionen in lockerer Folge und verstärkt dadurch den Kontrast. Dabei wird ein gut geschriebener Text durch reiche Abbildungen sinnvoll und angenehm ergänzt. In den Details der Darstellung gibt es viel Diskutables, so dass der Leser bei einem spezielleren Interesse für einen Kulturkreis auf die angegebene Literatur verwiesen bleibt. Wer aber einen ersten Überblick über die betreffenden Kulturen und ihre religiösen Weltbilder bekommen möchte, wird in diesem Buch zweifellos fündig.
Rezension: Prof. Dr. Bernhard Linke





