Während aber die Präsentation der Goldobjekte durchaus als gelungen angesehen werden kann, stimmt das für die Interpretation von figürlichen Darstellungen nicht immer. Hier steht Andersson in einer Tradition skandinavischer Archäologen, die zu Spekulation und Überinterpretation neigt. Als Beispiel sei eine männliche Figur auf dem Goldhalskragen von Ålleberg genannt, die – völlig ohne Argumentation –als „Vogelbetrachter“ (!) bezeichnet wird.
Ähnliche Probleme bereitet die ganz unwahrscheinliche, aber in Schweden noch heute weitverbreitete Deutung von Frauen mit langen Haaren, reichen Gewändern und Trinkhörnern als „Walküren“, obwohl diese Totendämonen niemals Ziel der Verehrung gewesen sein können. Die Zahl der gefundenen Broschen und Goldblechfigürchen (die „Guldgubber“) legt jedoch eine Verehrung der dargestellten Frauen nahe. Überzeugender sind sie daher wohl als „Disen“, weibliche Göttinnen, zu bezeichnen.
Nur vereinzelt haben sich auf dem Weg vom Schwedischen zum Deutschen Fehler eingeschlichen, so etwa bei der Nennung eines Fruchtbarkeitsgottes „Fro“, der aber im Deutschen wie in den altnordischen Quellen korrekt als Freyr zu bezeichnen wäre.
Insgesamt legt aber in dieser deutschen Originalpublikation der renommierte schwedische Archäologe Kent Andersson einen hübschen Band vor, der durchaus als Einführung in die Reichtumszeiten der skandinavischen Geschichte dienen kann.
Rezension: Simek, Rudolf





