„His people made him a leader. The empire made him a renegade. History made him a hero.“ (Sein Volk machte ihn zum Anführer. Das Imperium machte ihn zum Abtrünnigen. Die Geschichte machte ihn zum Helden.) Mit diesen Worten wird in einer Ankündigung ein Film umschrieben, der im vergangenen Jahr in die französischen Kinos kam. Inés Sastre und Christopher Lambert spielen Seite an Seite in „Vercingétorix, la légende du druide roi“, einem abendfüllenden Spielfilm über diesen Anführer der Gallier, der sogar von Caesar beschrieben worden ist. Und die Verfilmung des Asterix-Themas geht sogar schon in die zweite Runde, wiederum mit Gérard Depardieu als Obelix in der Hauptrolle. Die Gallier als Identifikationsfiguren der Franzosen schlechthin werden von den Nationalhelden des französischen Cinéma dargestellt.
Die Aktualität des Themas „Kelten“ scheint ungebrochen, es hat sogar den Anschein, als seien in den letzten Jahren immer öfter Verweise auf diese weit zurückliegende Zeit und Kultur zu verzeichnen. Ein Grund dafür kann möglicherweise darin gesehen werden, daß die Werte der postmodernen Gesellschaft alles andere als klar definiert sind. Jeder kann tun und lassen, was er will. Das Geschäft mit dem Individuum boomt. Auf der Suche nach Halt haben sich Menschen verschiedener Gesellschaftsformen und zu jeder Zeit immer wieder rückbesonnen. Alles, was man heute nicht oder vielleicht nicht mehr findet, bieten historische oder sogar prähistorische Gesellschaften in der Phantasie ihrer Anhänger.
Sicher gibt es viele Ursachen, die Menschen dazu veranlassen, prähistorische Kulturen wiederaufleben zu lassen. Dabei lassen sich zwei Tendenzen unterscheiden: einmal der Versuch, eine Gruppe durch den Rückgriff auf die Vergangenheit und eine lange gemeinsame Geschichte zu legitimieren, zum anderen die Suche des einzelnen nach einer lebbaren Utopie.
Dieser Trend kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die hier nur schlaglichtartig wiedergegeben werden kann. Es bestehen zwar regionale Unterschiede – zum Beispiel, ob die Kelten als die eigenen Vorfahren gesehen wurden oder nicht –, aber das Motiv, sich auf die Geschichte zu besinnen, ist multinational und übernimmt häufig eine identitätsstiftende Funktion.
Für die Britischen Inseln spielen vor allem die Artussage und Merlin eine wichtige Rolle. Bereits 1136 erwähnt Geoffrey of Monmouth Merlin und Artus in seiner „Historia Regum Britannie“. Obwohl er Merlin als Seher bezeichnet, hat er mit dem ihm zugedachten Charakter wesentlich zum populären Bild des Druiden beigetragen. Er wird als weise, gebildet, gerecht und besonnen dargestellt, gleichzeitig aber auch als geheimnisvoll. Eigenschaften, mit denen man sich gerne identifiziert. Wer wünscht sich nicht einen weisen Berater an der Seite der Regierenden? Zur gleichen Zeit wird auch behauptet, daß Stonehenge von Merlin erbaut worden sei, der die Steine aus Wales „herbeifliegen“ habe lassen. Daraus entwickelte sich die angebliche Verbindung von Megalithanlagen und Druiden. Ebenfalls ein Bild, das sich mit steter Beharrlichkeit bis heute hält…





