Das Jahr, in dem Graz die Kulturhauptstadt Europas war, ist fast vergangen und bald werden die zahlreichen Kulturveranstaltungen nur noch Erinnerungsgut sein. Wer etwas Bleibenderes aus diesem Jahr mitnehmen möchte und zugleich Hintergrundinformation über die Stadt an der Mur sucht, dem kann der von Gertrude Celedin herausgebene dreisprachige (deutsch/englisch/ italienisch) Bildband empfohlen werden. Ausführlich wird zunächst die Stadtgeschichte im Spiegel ihrer Architektur vorgestellt, vom frühen Mittelalter bis heute. Zentral gelegen, fungierte die Stadt im Mittelalter als Knotenpunkt für den Handel mit dem Südosten. Unter dem Babenberger Leopold V. avancierte Graz zum Hauptort der Steiermark. Ausschlaggebend für die städtischen Geschicke und das Stadtbild war die Tatsache, daß Graz zweimal Residenzstadt war, unter habsburgischer Herrschaft, besondere Kaiser Friedrichs III., im 15. Jahrhundert und unter den Erzherzögem von Innerösterreich von 1564 bis zum Abzug des Hofes nach Wien 1619. Mitte des 16. Jahrhunderts war Graz weitgehend protestantisch geworden, doch unter Karl II. setzte eine massive Rekatholisierung ein, in deren Verlauf auch eine Jesuitenuniversität gegründet wurde. Das höfische Leben mit seinen mannigfachen Repräsentationsbedürfnissen prägte auch die Stadt. Auf der Burg, seiner Residenz, hatte Karl II, auch eine Kunstkammer, eine Bibliothek und ein Schatzgewölbe einrichten lassen. Unter Maria Theresia wurde ein Großteil der Sammlungen nach Wien verbracht. Graz besitzt ein intaktes Altstadtensemble, das seit den 70er Jahren dank eines Erhaltungskonzepts unter aktiver Beteiligung der Bürger gerettet werden konnte. Das beeindruckendste Bauwerk der Stadt ist zweifellos das Renaissance-Landhaus mit seinen schönen Arkadengängen, Zeugnis des Wirkens italienischer Baumeister in der Stadt. Schloß Eggenberg, der Dom und das Palais Attems glänzen mit einer prunkvollen Barockausstattung. Ein ausführliches Kapitel ist weiterhin der Kunst in der steirischen Stadt gewidmet, von den ersten bronzezeitlichen und römischen Relikten bis zur heutigen lebendigen Kunstszene. Fundierte Beiträge informieren außerdem über Wissenschaft und Bildung, über Musik, Literatur und Theater sowie Wirtschaft und Industrie in Graz. Der Band ist mit zahlreichen, oft über eine Doppelseite gezogene Abbildungen von hervorragender Qualität ausgestattet.
Rezension: Talkenberger, Heike




