Brigitte Penkert war eine der vielen Frauen der 1930er und 1940er Jahre, die sich mit dem Frauenbild des NS-Systems identifizierten. Als freiwillige Krankenschwester suchte sie ihre persönliche Erfüllung: In der grenzenlosen Hingabe an die Pflege verwundeter deutscher Soldaten an der Ostfront, „ihrer Jungs“, konnte sie ihre Vorstellung von Gleichwertigkeit im Rahmen der NS-Ideologie verwirklichen.
Die 1911 als Brigitte Bosse Geborene stammte aus einem großbürgerlichem Aufsteigerhaushalt. Vorbild war ihr Vater, Absolvent der Freiberger Bergbau-Akademie und der TU Berlin; ihn prägten bürgerliche Tugenden wie Ordnungsliebe, Patriotismus und Gemeinsinn. Nach einigen Jahren in Berlin lebte die Familie wegen der beruflichen Aufgaben des Vaters in Kattowitz und nach dem Ersten Weltkrieg und der Teilung Oberschlesiens in Gleiwitz.
Die Identifikation der Familie mit Preußen und seiner Tradition war fest verwurzelt. Man bewegte sich in Gleiwitz, wie Brigitte Penkerts Tochter Sibylle berichtet, in den Kreisen des gehobenen Bürgertums, des oberschlesischen Adels, der Industriellen und hohen Militärs, die sich im Salon der Familie Bosse trafen; man spielte Bridge, die Zigarren-Runde politisierte im Herrenzimmer.
In Gleiwitz besuchte Brigitte das Realgymnasium und danach in Potsdam-Hermannswerder die „Allgemeine Frauenschule“. Eine akademische Ausbildung strebte sie nicht an. Im „Haus Oberschlesien“ in Gleiwitz trafen sich Vater und Tochter nach 1930 mit der meist männlichen kulturellen Oberschicht zum Frühschoppen – für eine „höhere Tochter“ eher ungewöhnlich, aber sicher nicht ohne Auswirkungen auf die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich später in Herrenrunden zurechtfand.
Mit 18 Jahren heiratete sie Dr. Waldemar Penkert, einen beruflich sehr erfolgreichen, wenn auch bald kränkelnden Mann aus der Wirtschaft. Doch die Ehe brachte ihr nicht wie erhofft eine große Familie. Sie wurde zwar 1935 Mutter einer Tochter, doch weitere Kinder waren nicht zu erwarten. 1936 trat sie dem „Vaterländischen Frauenverein“ bei und ließ sich wie weit über 70 000 weitere Frauen im Deutschen Reich als Krankenschwester anlernen. Diese freiwilligen weiblichen Hilfskräfte sollten im Kriegsfall ausgebildete Krankenschwestern ersetzen. Als Hilfsschwester des Deutschen Roten Kreuzes schwor auch Brigitte Penkert 1938 begeistert den Eid auf Adolf Hitler. 1939 bestand sie ihr Schwesterexamen und arbeitete zunächst in Düsseldorf im Lazarett, hoffte aber auf einen „richtigen Einsatz“, wie sie ihrer Mutter schrieb.
Ihre Briefe an die Eltern zwischen 1939 und 1945 sind die zentrale Quelle für die Haltung und Positionierung dieser Frau im nationalsozialistischen System und im Kriegsgeschehen: Im aufopfernden „Dienst“ an den verwundeten deutschen Soldaten und in grenzenloser Hingabe für „Volk und Führer“ suchte sie die Erfüllung, die ihr „als Frau“ verwehrt war. Sie wünschte sich, wie sie im Februar 1941 an ihre Mutter schrieb, „eine Arbeit, einen Dienst, in dem man beweisen kann, dass man etwas taugt“ und nicht „einen Mann, der einen im Grunde gar nicht braucht“.





