Der römische Feldherr Caesar eroberte nach und nach alle linksrheinischen Gebiete. Um 44 v. Chr. gründete Lucius Munatius Plancus, der römische Statthalter von Gallien, im Territorium der keltischen Rauriker eine Koloniestadt: Augusta Raurica, etwa zehn Kilometer östlich von Basilea (Basel) gelegen. Das Koloniegebiet lag zu diesem Zeitpunkt am Rand des römischen Imperiums und sollte das Gebiet absichern. Dazu diente das in der Rheinebene beim heutigen Kaiseraugst gegründete Militärlager. Mit der Eroberung auch der rechtsrheinischen Gebiete und dem Schutz durch den germanisch-rätischen Limes geriet Augusta Raurica ins Hinterland und entwickelte sich seit etwa 50 n. Chr. zu einer blühenden Handels- und Gewerbestadt. Sie hatte im 2. Jahrhundert etwa 15 000 Einwohner, die meisten davon ortsansässige Rauriker. Aber auch römische Veteranen wurden angesiedelt. Der Niedergang kam bereits am Ende des 2. Jahrhunderts: Der Limes fiel, Augusta Raurica wurde wieder umkämpfte Grenzstadt. Eine Festung, das Castrum Rauracense, musste nun die dezimierte Einwohnerschaft schützen. Anfang des 5. Jahrhunderts zogen die Römer ab.
Archäologische Funde lassen erkennen, wie die Menschen in Augusta Raurica lebten, was sie aßen, wie sie sich kleideten, welche Produkte die Handwerker herstellten und an welche Götter man glaubte. Um all dies zu veranschaulichen, wurde eine römische Villa nach dem Vorbild Pompejis rekonstruiert. Mit ihren Säulenhallen, dem Bankettsaal mit originalem Mosaikboden, dem Privatbad sowie Schlaf- und Arbeitszimmer führt sie das Leben einer wohlhabenden Familie vor Augen. In den straßenseitigen Räumen finden die Besucher eine Metzgerei, eine Schmiede, eine Bronzegießerei und eine Schankstube vor.
Das Prunkstück des Museums aber ist der berühmte Silberschatz. Er ist einer der bedeutendsten Schätze der Spätantike und umfasst 58 Kilogramm reines Silber, das zu 270 Objekten verarbeitet wurde. Zu sehen sind Platten mit fein ziseliertem Dekor, Statuetten, Haushaltsgegenstände, Münzen, Barren und „Hacksilber“, das als Zahlungsmittel diente. Der Schatz, zu dem auch kaiserliche Geschenke gehören und der in seinem Wert dem Jahressold von 230 Legionären entsprach, war im Besitz hochrangiger kaiserlicher Gefolgsleute gewesen, bevor er um 351 in kriegerischen Zeiten vergraben wurde und erst 1962 durch Zufall wieder ans Tageslicht kam. Eine Silberplatte zeigt etwa eine Stadt am Meer, eine andere den jungen Achill, bevor er in den Kampf um Troja zieht. Inschriften und Stempel erzählen von Produzenten, Besitzern und Herkunftsorten der Objekte.
Bevor man sich dem Freigelände zuwendet, lohnt ein Blick auf das Lapidarium am Museumseingang. Die Steindenkmäler künden von den Bewohnern Augusta Rauricas. Die Inschrift auf einem Grabstein etwa lautet übersetzt: „Den Manen/ und dem ewigen Andenken/ der Eusstata/ der süßesten Ehefrau/ die gelebt hat/ 65 Jahre/ Amatus [ihr Ehemann]/ hat den Stein gesetzt.“





