Die Burg Wetter behielt den massiven Rundturm, wohl auch aus dem 13. Jahrhundert, dessen Erhalt bereits im Kaufvertrag festgelegt worden war. Ein Gemälde von Alfred Rethel aus dem Jahr 1834 zeigt die Burg, umschlossen von Verwaltungsgebäuden und in direkter Nachbarschaft zum ersten Hochofen Westfalens. Friedrich Harkort bemerkt dazu: „Sie [die Industrie] hat die alte feudale Burg erobert und in ihr einen bleibenden Sitz aufge‧schlagen, in welchem Eisen und Stahl in die mächtigsten Waffen des Gewerbefleißes umgeschaffen werden. Prangt auch das Banner der alten Grafen nicht mehr auf den Zinnen des gewaltigen Thurmes, so schauen wir demungeachtet dort in festlichen Tagen die wehenden Farben des großen preußischen Vaterlandes! Der Kampf der alten und neuen Zeit ist hier augenfällig zugunsten der letzteren entschieden.“
Auch wenn der weitere Werdegang des Unternehmers Harkort nicht von Erfolg gekrönt war, so war nun eine Form der Umnutzung mittelalterlicher Burganlagen durch die in dieser Zeit im Ruhrgebiet aufblühende Industrie vorgezeichnet. Die neuen Industriebarone erkannten vor allem das wirtschaftliche Potential der Immobilien.
Das zeigt sich auch an einem zweiten Großunternehmer der Region: August Thyssen. Der Bankierssohn hatte im Jahr 1870 in Styrum bei Mülheim an der Ruhr das Walzwerk „Thyssen & Co.“ gegründet, das in der Folge zur Keimzelle eines der größten Montan-Konzerne Europas werden sollte. Um den enormen Wasserbedarf des Betriebs zu decken, kaufte Thyssen im Jahr 1890 das Schloss Styrum, das sich zu dieser Zeit bereits inmitten der Werksanlagen befand. Entscheidend für den Kauf war die günstige Lage des Anwesens am Ufer der Ruhr. Von 1892 an ließ Thyssen hier einen 50 Meter hohen Wasserturm zur Versorgung des Eisenwalzwerks errichten.
Ein gutes Jahrzehnt später erwarb August Thyssen mit Schloss Landsberg eine weitere Burganlage, diesmal jedoch aus anderen Gründen: Die auf einem Bergsporn gelegene Burg sollte ihm als repräsentativer Alterswohnsitz dienen. Dafür war er bereit, den stattlichen Kaufpreis von 380000 Mark aufzubringen.
Die Anfänge von Schloss Landsberg gehen vermutlich in das 13. Jahrhundert zurück. Die Burg diente der Sicherung eines Übergangs über die Ruhr. Zu dieser ersten Bauphase dürften der massive Bergfried sowie Teile der Wehrmauer und des Palas’ gehören. Geprägt wurde das damalige Erscheinungsbild der Burg jedoch durch den in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vorgenommenen Umbau zu einer Schlossanlage.
Dieser Ausbau im Stil der deutschen Renaissance diente als Vorbild für die baulichen Veränderungen, die Thyssen nach 1903 durch den Architekten Otto Lüer vornehmen ließ. Im Anschluss an den alten Palas wurde ein neuer Gebäudetrakt mit Treppenturm und historisierenden Schweifgiebeln errichtet.





