Was sonst, als religiöse Motive, konnte im puritanischen Neu-England den Ausschlag für die Begründung des Bildungswesens geben? Wer gottgefällig leben wollte, mußte sich mit der Bibel auskennen. “Und so gefiel es dem Herrn, die Herzen der Ratsmitglieder darauf zu richten, eine Schule zu errichten und dafür zu sorgen, daß diese rasch zu einem Ursprung des Wissens werde in dieser Wüstenei.” So beschrieb ein Zeitgenosse den Beschluß zur Gründung der ersten Ausbildungsstätte in Nordamerika. Angesiedelt werden sollte das theologische Seminar in Newtown, einem kleinen Ort bei Boston – heute bekannt unter dem Namen Cambridge. Die Ratsmitglieder, von denen unsere Quelle spricht, wurden durch den “General Court”, die Regierung der Kolonie Massachusetts Bay, gebildet. Und das Datum, das heute für den Gründungsakt genannt wird, markiert den Tag, an dem der Beschluß getroffen wurde, 400 Pfund zur Verfügung zu stellen – eine immense Summe, entsprach sie doch etwa der Hälfte aller Steuereinnahmen der gesamten Kolonie für das Jahr 1635. Bis die ersten Studenten die Schulbank des neuen Colleges drücken konnten, vergingen indes noch zwei Jahre. Doch bald gewann das Institut an Bedeutung und Reputation, nicht zuletzt, weil renommierte Akademiker aus den englischen Universitäten hier Fuß faßten. John Harvard übrigens, unter dessen Namen heute die Universität weltweites Ansehen genießt, hatte mit der Gründung selbst nichts zu tun. Doch als der fromme Mann kurz nach der tatsächlichen Eröffnung im Sommer 1638 starb, hatte er die Universität bereits so lieb gewonnen, daß er ihr die Hälfte seines Vermögens und seine komplette Bibliothek vermachte. Aus Dankbarkeit beschloß daher der General Court im März 1639, “dass die Schule den Namen ‚Harvard Colledge’ tragen soll.”





